Literatur der Volkskunde
Ingo Nebehay, Robert Wagner, Bibliographie Altösterreichischer An-sichtenwerke aus fünf Jahrhunderten. 3 Bände, Nachtragsband undRegister. Graz, Akademische Druck- und Verlagsanstalt 1981-1984.
Ansichtenwerke sind in der Definition der beiden Verfasser, einem Wiener Anti-quar und einem Bibliothekar an der Kartensammlung der Österreichischen Natio-nalbibliothek, druckgraphische Werke, die wenigstens vier Stadt- oder Landschafts-darstellungen enthalten. So ist das hier vorzustellende stattliche Werk mit insgesamtfünf Bänden ein unentbehrlicher Helfer bei der Bestimmung einzelner graphischerBlätter, wie es ihn bislang nicht gab. Aber darin erschöpft sich sein Wert nicht. Esdokumentiert ebenso die Landschaftsdarstellung der letzten 400 Jahre von der Sche-delschen Weltchronik bis zum Aufkommen der Fotografie und gibt so Aufschlußdarüber, welche Motive besonders geschätzt waren und welche weniger. Viele derAnsichtenwerke sind ja Reiseführer, die nach dem Geschmack der Zeit ihrer Entste-hung gestaltet sind.
Die Bibliographie, die genau eintausend solcher Werke erfaßt, nennt sich altöster-reichisch. Damit ist klargestellt, daß sie das Gebiet der alten Monarchie umfaßt,nicht also auch Vorderösterreich. Hierzu wird man weiterhin auf die Arbeiten vonMax Schefold zurückgreifen müssen. Aber selbstverständlich sind nicht nur die imGebiet der Monarchie erschienenen Werke gemeint, sondern auch andernortserschienene, soweit sie eben Darstellungen aus Altösterreich enthalten.
Von besonderem Wert ist das ausführliche Register, welches die Bibliographieerst so richtig erschließt. Es ist nach Orten, Zeichnern und Malern, Stechern undLithographen sowie nach Druckern und Verlegern gegliedert und bietet so vieleMöglichkeiten, von der Ortsgeschichte über die Geschichte des Verlagswesens biszur Künstlermonographie. Den einzelnen Bänden sind jeweils einige charakteristi-sche Abbildungen beigegeben, wobei man bedauert, daß es nicht mehr sind. Aberdies hätte die ohnehin schon teure Edition noch mehr verteuert.
Mit dieser Bibliographie ist dem Kunstwissenschaftler und allen, die sich mitLandschaftsdarstellungen beschäftigen, ein wichtiges Arbeitsmittel an die Handgegeben, welches in jeder Hinsicht mustergültig ist. Es wird auf lange Zeit hinausgrundlegend und unentbehrlich bleiben.
Herbert Schempf
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