( Freiburg/ Br.) stellte Zeiterlebnisse zweier altjapanischer Geschichtensammlungengegenüber. Heinz- Albert Heindrichs( Essen) weitgespannter Vortrag entdeckte fas-zinierende Parallelen zwischen Musikwissenschaft und Erzählforschung, respektiveMusik und Volkserzählung. Diese Kürzestcharakteristiken einiger Vorträge sol-len paradigmatisch die Vielfalt der Themenzugänge und-ergebnisse andeuten. Wei-tere Referenten seien aus platzökonomischen Gründen hier nur mit Namen erwähnt:Otto Betz, Luise Bröcker, Heino Gehrts, Wolfdietrich Siegmund, Lynn Snook,Dorothee Sölle.
Zum anderen fanden 18 über drei Tage laufende Arbeitsgemeinschaften mit zumTeil eher praxisorientierten Schwerpunktsetzungen statt. Aus der Vielzahl sollenhier nur etwa Katalin Horn( Basel) mit„ Zeit und Schicksal in Märchen und Sage",Ottilie Dinges( Essen) mit„ Zeitbezüge in Märchenvarianten und Märchenparo-dien" oder Luc Gobyn( Brügge) mit„ Das Motiv der Verjüngung in der Volksüber-lieferung" aufgeführt werden.
Die Abende waren den Erzählstunden von 30 Märchenerzählern und-erzählerin-nen gewidmet: Faszinierend originell etwa die zu den von Ursula Niedrig( Saarbrük-ken) erzählten Märchen synchron mit farbiger Kreide gemalten Illustrationen vonHeidi Britz- Crecelius( Völklingen), die sich das Fernsehen bisher zu Unrecht hatentgehen lassen.
Dieses an sich schon nicht nur für den Laien, sondern auch den Wissenschaftlerhochkarätige Programm erhielt einen zusätzlichen kulturellen Rahmen durch sechsBegleitveranstaltungen aus den Bereichen von Musik und Theater. Stellvertretendseien genannt: Igor Strawinskys„ Die Geschichte vom Soldaten" im Musiktheater,wo zum Teil auch der Kongreẞ stattfand. Acht Kunst-, Theater- und Buchausstellun-gen boten darüber hinaus visuelle Anreize. Gleichzeitig mit dem Erwachsenenkon-greẞ fand eine gut besuchte Kindermärchentagung statt. Eine Lesung Michael Endesaus seiner„, Unendlichen Geschichte“ schloß die Veranstaltung ab.
Sicherlich wäre es reizvoll und ertragreich, wenn in einer eigentlich längst überfäl-ligen gegenwartsvolkskundlich orientierten Magisterarbeit oder Dissertation dieAktivitäten der Europäischen Märchengesellschaft einmal wissenschaftlich darge-stellt und analysiert würden. Hemmschuh dabei scheint die Berührungsangst desVolkskundlers mit dem„ Volk“ bzw. den Auswirkungen des wissenschaftlichenRücklaufs.
Gespannt sein darf man auf den nächstjährigen Kongreß vom 18. bis 25. Septem-ber in Bad Karlshafen unter dem Thema„ Tiere und Tiergestaltige im Märchen"sowie auf Salzburg 1989, wo die Europäische Märchengesellschaft ihre Jahrestagungzum Problem des Todes im Märchen abhalten wird. Wie immer soll auch nach demvergangenen Kongreß ein ausführlicher Themenband erscheinen.
Rainer Wehse
Bericht vom 20. Internationalen Hafnerei- Symposium des Arbeitskreises fürKeramikforschung( 14. bis 18. Oktober 1987 in Obernzell an der Donau)Das„ Jubiläumssymposium" ¹) war als Arbeitstreffen und nicht als Jubelfeier mitlangen Festreden und feierlichem Programm geplant worden. Der vorgesehene
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