tschechischen Nationalgeschichte sowie der reiche Schatz an Sagen und Märchen,die zu den inhaltlichen Schwerpunkten der staatlich monopolisierten Trickfilmpro-duktion zählen. Stanislav Latal, seit 1942 für die künstlerische Leitung, Regie undDrehbuch zuständig, stellte sich und seine Arbeit ganz in die Tradition von Jiři Trnkaund dessen poetischer Erzählweise. Mit ihm zusammen wurde der erste Trickfilmüber einige Passagen aus der Erzählung„ Die Abenteuer des braven SoldatenSchwejk" realisiert, der auf Anhieb dem tschechischen Trickfilm auch internationaleAnerkennung zuteil werden ließ. Das anschließend vorgeführte Videoband mit ver-schiedenen Beispielen aus den neuesten Produktionen wurde mit lautem Beifall auf-genommen und beendete zunächst den Beitrag der tschechischen Gäste.
Rudolf Enters Film über die Entstehung eines Puppentrickfilms entlockte man-chen Zusehern ein bewunderndes Staunen über den großen Aufwand, der für einenTrickfilm notwendig ist und Puppen erst so„, richtig lebendig" werden läßt. Die Zer-legung einer Bewegung in mehrere Phasen, die Bild für Bild mit der Filmkamera auf-genommen werden, ist die technische Grundlage des Trickfilms- erst jetzt wurdenauch die Schwierigkeiten und Probleme klar, die gelöst werden mußten, bis der ersteTrickfilm das Studio verlassen konnte.
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Dieser Aufwand, nach Meinung von Robert Quitta, stets in Verbindung mit dem,, Pathos der Bewegung, Infantilität und der Häßlichkeit" war der Hauptangriffs-punkt des österreichischen Avantgardefilmers und Autors- und verhinderte eineernst zu nehmende Diskussion des Trickfilmgenres. Trickfilm sei eine Pervertierungdes Films und leiste einer gesellschaftlichen Infantilisierung nur noch Vorschub.Quittas radikale„ Suche nach den Wurzeln des Films" sorgte schon während desReferats für Aufregung die sich noch steigerte, als er seinen„ Anti- Trickfilm" vor-führte: Ein Punkt, dessen zwanzigminütige Reise über die Leinwand- für viele quä-lend langsam- zu ungehemmten Protestrufen und dem Versuch, sie abzukürzen,führte. Eine Erregung hatte alle erfaßt, eine geregelte Diskussion war unmöglichgeworden und konnte erst nach dem Filmbeitrag von Hubert Sielecki, der Trickfilmeseiner Meisterklasse an der Hochschule für angewandte Kunst zeigte, wieder aufge-nommen werden. Puppentrickfilm und der Trick mit dem Punktfilm, dazwischen lagein unversöhnlicher und unüberbrückbarer Gegensatz, der die gesamte Diskussiondurchzog.
Auf der einen Seite Kategorien der kommerziellen Brauchbarkeit, der Unterhal-tung und fraglose Anwendung eines Mediums- dort radikales Infragestellen desMediums, an Hand und mittels diesen, beständiges Experiment, stets bereit, vonvorne zu beginnen und nichts als gegeben hinzunehmen außer sich selbst.
Es war ein ,, tiefschürfender“ und sicher kein stiller Vormittag, der noch mehr Teil-nehmer verdient hätte.
Walter Kriedl
RSE
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Filme rund um die Uhr
Regards sur les Sociétés Européennes:
4 Rencontres de Cinéma Anthropologique
Diesen Titel verwendet Carsten Bregenhoj für seinen Tagungsbericht- und vieleder 32 Teilnehmer aus 13 europäischen Ländern und aus Australien nützten dieseMöglichkeit auch.
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