einer ganz anderen Welt mit einer anderen Ordnung befinden, als sie uns aus ähnlichthematisierten Werken der volkstümlichen Bildhauerei bekannt ist.
In den letzten zwanzig Jahren sind Roman Śledź und Stanislaw Zagajewski zuKünstlern geworden, die einen besonderen Rang einnehmen. Die Skulpturen vonRoman Śledź mit ihrer eigenartigen Dynamik und Dramatik sind inspiriert vonauthentischen Erlebnissen des Künstlers und knüpfen damit an die Atmosphäre dervolkstümlichen Bildhauerei an, zerreißen diese Bindung jedoch wieder durch unge-mein individuelle Auflösungen der Formen.
Stanislaw Zagajewski steht mit seinen keramischen Kompositionen( wie diemonumentalen Altäre, die hier leider nicht ausgestellt werden können) und Skulptu-ren, die mit Korallen, bunten Plastikstücken aus Abfällen, Draht u. a. verziert sind,als ein Künstler vor uns, der beseelte Kompositionen und Skulpturen mit komplizier-ten Formen zu schaffen vermag, der andererseits darin seine dramatische Botschaftan den Besucher richtet, die seinen Kampf gegen sich selbst, gegen die Kultur undZivilisation beinhaltet.
Wir sind überzeugt, daß die so zusammengestellte Exposition es den Besuchernermöglichen wird, die interessantesten Künstler der naiven Kunst Polens kennenzu-lernen. Auf diese Weise können sie ihr Wissen über die zeitgenössische polnischeKultur erweitern. Diese Werke sind als ein origineller Teil dieser Kultur in ihrer Ein-maligkeit der Erscheinung zu erfassen, die nicht nur in ihrer Koloristik und Verbin-dung zur Realität des polnischen Lebens, sondern vor allem hinsichtlich der Tiefedes Erlebens und der originellen Ausdrucksform einen würdigen Platz auch im Rah-men der europäischen naiven Kunst einnimmt.
Jan Krzysztof Makulski
Rede anläßlich der Ausstellungseröffnung„ Zauberhafte Puppen"im Österreichischen Museum für Volkskunde am 9. 11. 1987
Wir haben heute einen denkwürdigen Erfolg jener vertrauenstiftenden Tätigkeitzu feiern, die im schlichten Amtston„ Kulturaustausch“ heißt die aber zu oft Leer-lauf und Alibiveranstaltungen nach sich zieht. Diesmal, so scheint es mir, paßt alles
zusammen:
Zuerst das bewundernswerte, liebenswerte Werk des Künstlers, der in Wien leiderebenso in die Peripherie des Interesses abgeschoben ist wie ein anderer aus Böhmenstammender Erneuerer der Puppenkunst und Puppenanimation, nämlich der Karls-bader Richard Teschner ein Werk, in dem das Große miniaturisiert ist und dochin der Kleinheit Monumentalität gewinnt, in dem der Mensch als Puppe erscheintund die Puppe als Mensch.
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Dazu der Ort der Ausstellung: Dieses Wiener Barockpalais mit seiner Fülle anVolkskunstjener Wurzel, auf die Jiři Trnka immer stolz blieb, obwohl er mit demmodernsten Medium seiner Zeit, dem Film, seinen Weltruf errang und ein nimmer-müder Experimentator war. Auch Jaroslav Hašeks„ Schwejk" kann seine Ahnen ausdem barocken Schelmenroman nicht verleugnen. Jiři Trnka hat uns die Schwejk-Puppe hinterlassen. Die mag für viele nur ein Maskottchen sein- aber sie steht auchals Faustpfand des Prager Überlebenswillens in Gebrauch.
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