Zum Artikel von Johannes B. Bauer ,, Ein jüdisches Beschneidungsamulett" in:Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Band XLI/ 90, 1987, S. 231-235
Mir scheint, daß die Annahme des Verfassers, daß es sich bei dem beschriebenenAmulett um ein bei( vor) der Beschneidung benutztes Amulett handelt, nicht richtigist.
Zunächst fehlen die Münzen, die auch nach der Annahme des Verfassers einenwesentlichen Bestandteil derartiger Amulette ausmachen, völlig und es ist auch kei-nerlei Vorrichtung an dem Amulett vorhanden, die auf eine Verbindung diesesAmuletts mit Münzen hinweist. Die Buchstaben Aleph, Schin( Sin) Taw sind, wieder Verfasser auch selbst richtig bemerkt, als Notarikon, und zwar ausschließlich alsNotarikon von Psalm 51, 17, zu deuten, ein Vers, der vor dem Beginn jedes Acht-zehngebets, des wichtigsten der täglichen Gebete, gesagt wird. Die Form„ Eischet"als status constructus zu ischah kommt in der Bibel alleinstehend nicht vor. EineDeutung in dieser Richtung ist daher abzulehnen.
Die Farbe Rosa für Säuglinge weiblichen Geschlechts ist, wie der Endunterzeich-nete aus eigener Erfahrung berichten kann, im Gegensatz zu der hellblauen Farbefür Säuglinge männlichen Geschlechts durchaus üblich bei den Juden Mitteleuropasund des mittleren Ostens.
Bei dem in Frage stehenden Amulett dürfte es sich daher um ein Amulett handeln,das nicht bei der Beschneidung benutzt wurde.
Otto Schnitzler
Solange nicht analoge Stücke bekannt werden, muß meine Hypothese- und nichtmehr wollte ich bieten- Bedenken unterworfen bleiben. Zu den von O. Schnitzlererhobenen möchte ich fragen: könnte das von mir beschriebene Stück nicht an Stelleder mittleren Münze am Band gehangen sein( siehe die Abbildung 3 und 4 in Schnitz-lers von mir zitiertem Aufsatz)? Was den in der Bibel( nach unserer heutigen Auffas-sung!) nicht allein vorkommenden status constructus' eschaet betrifft, gilt für dieBeurteilung desselben auf dem Amulett, daß eben dieser Ps 58,9; 1 Sam 28,7;Deut 21,11 von den alten Grammatikern bis zu den großen des 19. Jhdts. wie Ewaldund Gesenius als absolutus aufgefaßt worden ist. Nicht versäumen möchte ich, aufdie liturgische Gemeinsamkeit hinzuweisen, daß das Domine, labia mea aperiesPs 51,7 auch im monastischen Stundengebet wenigstens seit der Regula Magistri,also schon vor Benedikt als Eröffnungsvers dient.
Johannes B. Bauer
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