Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
Seite
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Mitteilungen

Zur volkstümlichen Schmuckwarenerzeugung*)

Von Gudrun Hempel

In meinem zeitbegrenzten Referat möchte ich einige Gedanken zum Thema,, volkstümlicher Schmuck" speziell im historischen Rückblick vortragen. Zunächsterhebt sich die Frage: was ist volkstümlicher Schmuck, was versteht man darunter?Handelt es sich dabei um Bauernschmuck, um Trachtenschmuck, um bürgerlichenSchmuck? Ich glaube, wir können alle drei Kategorien darin assimilieren, vielleichtauch noch eine vierte, nämlich den Schmuck der kirchlichen und weltlichen Obrig-keiten, die für den volkstümlichen Schmuck weitgehendst Vorbild waren. Im übri-gen hat Leopold Schmidt die Situation des volkstümlichen Schmucks folgenderma-Ben charakterisiert: Der Volksschmuck drängt sich... nicht vor, er stellt zu keinerZeit eine auffällige Besonderheit dar. Es hat aber offenbar jeweils zur Vervollständi-gung des äußeren Auftretens wie zu verschiedenen volksgläubigen, rechtlichen oderauch anderen Kennzeichnungen immer auch Schmuckstücke gegeben, deren Auftre-ten und deren Wechsel im wesentlichen von der jeweiligen Schmuckmode bestimmtwurden. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war das Schmuckwesen ähnlichwie das Trachtenwesen weitgehend ständisch bestimmt. Was einige Schichten, vorallem der Adel, aber auch Patrizier und Rechtsgelehrte tragen durften, das war fürHandwerker und Bauern durchaus untersagt."

Dies zeigen sehr deutlich die Kleiderordnungen, obrigkeitliche Erlässe, mit denenden Untertanen bis ins kleinste Detail vorgeschrieben wurde, was ihnen an Kleidungund Schmuck zustand. Ein Erlaß des bayerischen Herzogs Maximilian aus demJahre 1626 wirft ein bezeichnendes Licht nicht nur auf die Zustände im süddeutschenRaum. Herzog Maximilian ermahnt darin daß die Kleidung und andere Leibes-zierden sich nach Herkunft und Profession zu richten hätten, damit in Zukunft besserals bisher der Unterschied gesehen und erkannt werden möge. In diesem Erlaẞkommt das Bedürfnis zum Ausdruck, die Klassenunterschiede rein äußerlich zubetonen, anderseits ist aus dem Wortlaut zu entnehmen, daß gewisse Ansätze derUntertanen bestanden, es den Herren gleichzutun,... Herrenart anzunehmen

*) Kurzvortrag, gehalten am 30. 4. 1987 anläßlich der Eröffnung der Sonderaus-stellung ,, Volkstümlicher Schmuck aus der Slowakei" im Ethnographischen MuseumSchloß Kittsee.

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