Jahrgang 
91 (1988) / N.S. 42
Seite
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Die Herstellung von StrohschuhenEine winterliche Flechtarbeit in Salzburg

Von Ida Eichelter- Sennhauser

Das Flechten mit pflanzlichen Materialien ist eine alte handwerk-liche Technik. Ihr Beginn wird der neolithischen Epoche( ca. 5000bis 1800 v. Chr.) zugeordnet.

Flechtmuster sind im wesentlichen abhängig bzw. begrenzt vomArbeitsmaterial. Aus diesem Grund hat sich in der Technik derjahrtausendealten Geschichte des Flechtens kaum etwas geändert.Wegen der leichten Zersetzbarkeit des pflanzlichen Materials stel-len alte Flechtarbeiten seltene Fundstücke dar. Gesicherten histori-schen Boden betreten wir mit den Funden, die der trockene BodenÄgyptens für die Nachwelt konserviert hat. So fand man beispiels-weise Palmblattsandalen aus Theben( Oberägypten, ca. 1250v. Chr.). Diese sind aus drei Palmblattstreifen und Bast kunstvollgeflochten und zum Teil rot- schwarz bemalt.

Alte Funde aus unseren Breitengraden sind nicht bekannt.

In geschichtlichen Zeiten hat dieses Ineinanderfügen von bieg-samen Trieben, Streifen oder Fasern der verschiedensten Pflanzen( Weiden, Schilf, Stroh, Binsen usw.) im menschlichen Leben einegrößere Rolle gespielt als heute. Trotzdem konnte das industrielleZeitalter mit seinen maschinellen Möglichkeiten dieses ländlicheHandwerk nicht verdrängen. Geflechte aller Art sind weiterhin eingrundlegendes Element der Volkskunst.

Während unserer volksbotanischen Feldarbeit im BundeslandSalzburg( Pinzgau/ Pongau/ Tennengau) lernten wir die hausge-machten Strohpatschen der bäuerlichen Bevölkerung kennen.Das sind bis zu den Knöcheln reichende Haus- und/ oder Über-

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