Literatur der Volkskunde
Robert V. Kozinets: Netnography. Doing Ethnographic Research Online.Sage Publications: Los Angeles u.a. 2010, 221 Seiten, 12 Abb./Grafiken.
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Wenn die heurige Hochschultagung der Deutschen Gesellschaft für Volks-kunde in Marburg' eines gezeigt hat, dann dass unsere Disziplin nur nochschwer an einer ernsthaften methodologischen Auseinandersetzung mitICT( Information and Communications Technology) und CMC( Compu-ter- Mediated Communications) vorbeikommt. Als kritischer Kommenta-tor könnte man anmerken, dass es nicht gerade für die Beweglichkeit derdgy spricht, dass es bis zum Jahr 2010 gedauert hat, bis – bei eben jenerTagung angekündigt wurde, dem Bereich der Online- Forschung nuneine eigenezu dem Zeitpunkt noch nicht näher benannte- dgv- Kom-mission widmen zu wollen. Jedenfalls hatte ich das Gefühl, dass – trotzeines einschlägigen Vortrags von Gertraud Koch über» KybernetischeImaginationen« ² die Untersuchung von virtuellen Welten und Online-Praxen als mittlerweile selbstverständlicher Teil unserer kulturellenund sozialen Umwelt noch immer nicht gänzlich im Fach angekom-men ist. In diesem Sinn lässt sich beispielsweise auch eine Anekdote ausOvar Löfgrens Abendvortrag³ interpretieren: Seine Studierenden wür-den ihn>> beneiden«<, wenn er ihnen über den in seiner Studienzeit übli-chen Verlauf der Genese einer Qualifikationsarbeit erzählt. Früher such-te man sich einfach» ein Dorf«<, das noch nicht beforscht worden war,und machte dort Beobachtungen und Interviews. Diese klaren Leitlinienmussten in den letzten 50 Jahren weitaus komplexeren Feldkonstrukti-onen mit teilweise global ineinander verwobenen Bezugssystemen wei-chen. Immer mehr Arbeitsschritte ethnographischer Forschung werdendabei online bzw. unter Zuhilfenahme technischer Gerätschaften bestrit-ten. Die Arbeit mit Google& Co. würde allerdings – laut Löfgren – beiseinen Studierenden manchmal Zweifel aufkommen lassen, ob das dortErfahrene ähnlich» fundiert«< sein könne wie die klar umrissenen undeingegrenzten Aufträge» klassischer« Forschungszugriffe.
1 Abgehalten unter dem Titel» Umbruchszeiten. Epistomologie& Methodologie inSelbstreflexion<< vom 24. bis 26. September 2010.
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Titel:>> Kybernetische Imaginationen. Digitale Medien als lebensweltliche Dimensi-on und epistemische Anlässe<<.
Titel:» Developing new skills and reinventing some old ones: on the challenges ofEuropean Ethnology<<.
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