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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 3+ 4
wurden von einer Projektmitarbeiterin des Volkskundemuseums kata-logisiert.
Ihre Schüler( innen) und wissenschaftliche Wegbegleiter( innen) ver-loren eine international bekannte, warmherzige akademische Lehrerinund eine vielseitige, leidenschaftliche Sprach- und Sachforscherin.
Ingeborg Geyer
Zum Tod von Univ.- Prof. Dr. Herbert Schwedt- ein Nachruf
Bruck an der Leitha, zum ersten, aber nicht einzigen Mal Station aufdem Weg von Mainz zu Feldforschungsaufenthalten in der südungari-schen Básca: Zusammen mit Herbert Schwedt, seiner Frau Elke und denAngehörigen der Forschungsgruppe saßen wir nach einem guten Essenzusammen und diskutierten über den kommenden Einstieg ins Feld.Schwedt, der bereits einige Erfahrungen in Ungarn gesammelt hatte,hüllte sich in die Rauchwolken eines Zigarillos und beschränkte sich aufden Hinweis, man müsse flexibel sein und dürfe nicht erwarten, dassGeplantes auch tatsächlich so ausgeführt werden könne. Das war typischfür diesen Hochschullehrer: kein Dozieren, keine dogmatischen Vorga-ben, sondern» machen Sie mal<< das war stets seine Devise.
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Die Abteilung Kulturanthropologie/ Volkskunde der Johannes Gu-tenberg- Universität Mainz trauert um ihren langjährigen Leiter, Univ.-Prof. Dr. Herbert Schwedt, der am 21. März 2010 in Bad Kreuznach inseinem 75. Lebensjahr seiner schweren Krankheit erlag. Auf der einzigenHochschullehrerstelle für das Fach in Rheinland- Pfalz vertrat Schwedt27 Jahre lang Volkskunde an der Mainzer Universität und führte in die-ser Zeit eine große Zahl von Studierenden zum Magisterabschluss, zurPromotion und zwei bis zur Habilitation.
Herbert Schwedt wurde im Jahr 1934 im schlesischen Beuthen ge-boren. An den Hochschulen in Jena, Göttingen und Tübingen studierteer zwischen 1953 und 1960 die Fächer Geschichte, Germanistik, Ethno-logie und Volkskunde. Mit einer volkskundlichen Arbeit über gemein-schaftliche Lebensformen in neu entstandenen großstädtischen Siedlun-gen wurde er von Helmut Dölker in Tübingen im Jahr 1960 promoviert.Zwischen 1960 und 1969 hatte Schwedt eine Stelle als wissenschaftli-cher Assistent bei Hermann Bausinger am Ludwig- Uhland- Institut für