Chronik der Volkskunde
Bericht über die Hochschultagung der Deutschen Gesellschaftfür Volkskunde>> Umbruchszeiten. Epistemologie&
Methodologie in Selbstreflexion<<,
Marburg, 24.- 26. September 2010
Die 11. Hochschultagung der DGV nahm das 50- jährige Jubiläum desMarburger Instituts zum Anlass, die Selbstreflexion des Faches weiter-zuführen. Im Call for Papers zu dieser Tagung befand sich eine ganzeReihe von Fragen, die die Breite des Themas» Umbruchszeiten« auslote-ten. Der Paradigmenwechsel von der Herkunftszentrierung zur gegen-wartsorientierten Forschung im Fach sollte ebenso fokussiert werdenwie die Umbrüche in der gegenwärtigen Wissenschaftslandschaft, dieunzähligen>> Turns«<, neuen Themenfelder, innovativen Strömungen undneuen Horizonte. Die spannendste Frage darunter-» Gibt es derzeit imFach Anzeichen dafür, dass Zäsuren oder Umbrüche anstehen?<<- solltewohl dazu anregen,» Revolutionen<< anzudenken.
Der Start zur Tagung erfolgte am Freitagabend in der ehrwürdigenalten Aula der Marburger Universität. Der Vorsitzende der DGV, Rein-hard Johler, verteidigte in seiner Begrüßungsrede die andauernde Eigen-prüfung und Suche nach der kognitiven Identität des Faches als sinnvollund wichtig. Er würdigte die Vielfältigkeit am Marburger Instituts undverwies etwas wehmütig auf die Internationalität des Marburger DGV-Kongress 1965» Arbeit und Volksleben«<, dem noch 497 TeilnehmerIn-nen aus 23 Ländern beiwohnten.
Martin Scharfes Eröffnungsvortrag» Garen, Gehen, Gären. ZurMetaphorik des Umbruchs« führte gekonnt und denkanregend in diesinnreiche Vieldeutigkeit des Umbrechens ein. Sein Fazit, dass auchStillstände und kleine Bewegungen zu Sensationen werden können,stimmte hingegen gefährlich beruhigend.
Der geschäftsführende Direktor des Marburger Instituts für Euro-päische Ethnologie, Karl Braun, konnte in seiner» dichten Beschreibungder Neugründung des volkskundlichen Institutes im Jahr 1960«< die be-sondere Stellung dieser universitären Einrichtung in der Entwicklungder Nachkriegsvolkskunde in Deutschland herausarbeiten, die 1970 dieunglaubliche Zahl von 15 wissenschaftlichen MitarbeiterInnen behei-matete und mit Ingeborg Weber- Kellermann, Gerhard Heilfurth, Ina-Maria Greverus, Martin Scharfe und anderen bedeutende Fachgrößen
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