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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 3+ 4
Ein Giebelzeichen
Zwei gekreuzte, verkämmte Holzbalken zeigen an ihren Enden stilisier-te, voneinander abgewandte Pferdeköpfe. Das Holz ist naturbelassen,die Balken sind geschnitten, die Pferdeköpfe gefräst. Sie weisen tiefeRisse auf, bei einem Holzbalken verläuft er gar vom Kopf des Pferdesbis zum Fuß des Balkens.
Über die» gekreuzten Pferdeköpfe als Giebelzeichen<< hatte Ri-chard Wolfram schon lange geforscht.6 Ihnen widmete er 1968 eineeigene Publikation, sie erschien in der von ihm herausgegebenen Rei-he der Institutsveröffentlichungen mit dem Raiffeisenlogo am Cover.Angaben zu Verbreitung, Formen und Blickrichtung dieser an zumeistschmalen( strohgedeckten) Wohn- und Wirtschaftsgebäuden ange-brachten Pferdeköpfe in Österreich, Bayern und der Schweiz, aber auchin Deutschland, Nord-, Ost- und Südosteuropa machen einen großenTeil des Buches aus; an eine Suche nach» Dauerüberlieferung«< ³ dieserGiebelzeichen(»> aus vorgeschichtlicher Zeit«< 9) schließen Überlegungenzur Bedeutsamkeit dieser Elemente. Waren sie Schmuck oder doch vielmehr? Es überrascht wenig, wenn hier der Einstieg über die volkskund-liche Aberglaubensforschung( Schutz, Abwehr, Segen als Wirkmächte)gesucht wird bzw. die Pferde mit mythischen Zuschreibungen aus derWelt der Germanen oder der indogermanischen Geschichte belegt wer-den. Nennenswert für unseren Zusammenhang: Helmut Fielhauer hatte1965 über das Giebelmotiv kämpfender Steinböcke publiziert, sein Hin-weis auf ein entsprechendes Sagenmotiv wird von Wolfram als weitereDeutungsmöglichkeit und somit als weiterer Beleg für die Bedeutungdieser Objekte jenseits einer reinen Dekorfunktion angeführt.10
Das Pferdekopfpaar wurde 1964 südlich von St. Pölten von Fielhau-er, damals Wolframs Assistent, für das Institut erworben. Der Umbaueiner Scheune hatte das neuerliche Anbringen der Giebelzeichen obsolet
6 Laut eigenen Angaben seit 1932, s. Richard Wolfram: Die gekreuzten Pferdeköpfeals Giebelzeichen(= Veröffentlichungen des Instituts für Volkskunde an der Univer-sität Wien, 3). Wien 1968, S. 16.
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Der Österreichische Raiffeisenverband hatte die Publikation finanziert und in derRaiffeisendruckerei drucken lassen, Wolfram( wie Anm. 6), S. 13 bzw. S. 4.Wolfram( wie Anm. 6), S. 78.
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g
Ebd., S. 66.
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Ebd., S. 93.