Jahrgang 
113 (2010) / N.S. 64
Seite
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neuerDings

Sachzeugnisse akademischer Forschung

16 Objekte aus dem Institut für Europäische Ethnologieder Universität Wien

Im Sommer 2009 wurden vom Institut für Europäische Ethnologieder Universität Wien fünfzehn Objekte als Schenkung dem Österrei-chischen Museum für Volkskunde übergeben, ein sechzehntes Objekt,eine bunte Frauenhaube aus der spanischen Extremadura, wurde imNovember 2010 nachgereicht. Die Objekte wurden inventarisiert und

wohl etwas vorschnell der Sachgruppe» Lehrbehelf«< zugeordnet.Im Einzelnen handelt es sich um eine Rodel( ÖMV/ 83865), ein Gie-belzeichen( ÖMV/ 83866), den Flügel einer strohgeflochtenen Wein-kellertüre( ÖMV/ 83867), ein Doppeljoch für Zugochsen oder-kühe( ÖMV/ 83869), ein Einzeljoch für Zugochsen oder-kühe( ÖMV/ 83868),zwei Rückentragekörbe( ÖMV/ 83870 und 83871), einen randbeschla-genen Spaten( ÖMV/ 83872), eine Holzsschaufel für Mehl oder Ge-treide( ÖMV/ 83873), eine hölzerne Heugabel( ÖMV/ 83874), zweiDreschflegel( ÖMV/ 83875 und 83876), einen» Allerheiligenstriezel<«< ausStroh( ÖMV/ 83877), ein Paar Schneereifen( ÖMV/ 83878/ ab), ein PaarMännerholzschuhe( ÖMV/ 83879/ ab) und eine Frauentrachtenhaube( ÖMV/ 85204; dazu gehört auch eine Postkarte von Richard Wolfram,der die Frauenhaube dem Institut 1975 als Schenkung übergab).

Diese sechzehn Objekte sind keiner musealen Sammlungspraxisgeschuldet, sie kamen ins Museum, weil sie an ihrem letzten Verwen-dungsort, dem Universitätsinstitut, keine Funktion mehr hatten. Mitder Übernahme der Objekte in die Sammlungen des Museums erhieltensie hier ihre vorläufig letzte Bestimmung- sie wurden zu Museumsob-jekten oder besser: zu Museumsdingen. Mitarbeiterinnen des Hauseshaben sie fotografiert und klassifiziert nach Objekt- und Sachgruppen,nach Material und Technik und soweit bekannt nach Herstellung,Verwendung und Verwendungsort. Bei der anschließenden inhaltlichenAuseinandersetzung mit den Objekten stellten sich bald eine Reihe vonFragen: Wer brachte die Objekte einst in die Räumlichkeiten des Uni-versitätsinstitutes? Woher und aus welchem ursprünglichen Kontextstammen sie? Sind es Objekte, die von Institutsmitarbeitern gezielt fürdie Lehre gesammelt wurden oder waren die Beweggründe für die Ein-bringung anderer Natur? Welches Wissen wurde an ihnen oder über siegeneriert, für welchen Teilaspekt volkskundlicher Forschung standen

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