Jens Wietschorke, Sakraler Raum, Politik und die Ordnung der Heiligen
men und gemeinsamer Schutzheiliger voranzutreiben«<. 28 Parallel zurMarienverehrung im Kontext der Schlacht am Weißen Berg stieg auchJoseph von Nazareth in eine neue Hauptrolle auf. 1654 unterstellte Kai-ser Ferdinand III. das Königreich Böhmen und die österreichischen Län-der dem Schutz des heiligen Joseph, im darauf folgenden Jahr wurde die-ser im Prager Veitsdom zum besonderen Patron Böhmens erhoben, undunter Leopold I. proklamierte man Joseph dann sogar zum Hauptpatrondes gesamten Heiligen Römischen Reichs und des Kaiserhauses. 29 Derzuvor eher stille Begleiter Marias wurde so zum» Hausheiligen des Wie-ner Hofes«<. 30 In der zweiten Mariahilfer Seitenkapelle auf der rechtenSeite laden ein Altar mit der Darstellung von Josephs Tod sowie einekleine Plastik mit Lilie und Jesuskind zur Andacht ein. Auf der gegen-überliegenden Seite befindet sich ein Altar des heiligen Johannes Nepo-muk, dem nach seiner Heiligsprechung 1729 in besonderer Weise dieintegrationistischen Bemühungen des Kaiserhauses galten und der inder Folge den heiligen Joseph als diesbezügliche Leitfigur ablöste. Seineböhmische Herkunft und sein Martyrium in der Moldau prädestiniertenihn zu einem Patron Böhmens; seine Eingemeindung in die Reihe derösterreichischen Haus- und Hofheiligen ermöglichte die» Installierungeines allgemein akzeptierten und von allen Bevölkerungsschichten derKronländer verehrten integrativen> Staatsheiligen<««. 31 Neben dem auchals Brückenpatron bekannt gewordenen Johannes Nepomuk ist nochder 1485 heiliggesprochene Babenberger- Markgraf Leopold III. zu nen-nen, für dessen Erhebung zum Patron aller österreichischen Länder sichinsbesondere Kaiser Leopold I. einsetzte und der zeitweise als Garant
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Winkelbauer( wie Anm. 12), S. 201.Ebd., S. 202-205.
30 Vgl. Barbara Mikuda- Hüttel: Vom» Hausmann« zum Hausheiligen des Wiener Ho-fes. Zur Ikonographie des hl. Joseph im 17. und 18. Jahrhundert(= Bau- und Kunst-denkmäler im östlichen Mitteleuropa, 4). Marburg 1997. Vgl. auch die ältere Arbeitvon Maria Héyret: Der hl. Joseph als Patron des deutschen Reichs sowie der altenösterreichischen Erblande. Ein Beitrag zur Geschichte des Josephskults. Altötting
1921.
31 Franz M. Eybl: Abraham a Sancta Clara. Vom Prediger zum Schriftsteller. Tübingen1992, S. 48. Vgl. dazu auch Helmut J. Mezler- Andelberg: Johannes von Nepomukein Patron des alten Österreich. In: Johannes Neuhardt: Johannes von Nepomuk.Ein Text- Bild- Band. Graz, Wien, Köln 1979, S. 43-51.
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