672 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 3+ 4
Kauf«<. 25 Von ebenso universeller, allerdings weniger definierter Zustän-digkeit ist auch der Apostel Judas Thaddäus als Ratgeber und Helfer bishin zu den>> schweren Anliegen«<. 26 Kurzum: Wie in vielen Kirchenräu-men werden die Gläubigen auch hier von zwei besonders alltagsnahen,unmittelbare Hilfe auch in kleinen Sorgen und Nöten versprechendenHeiligengestalten empfangen. Ganz im Sinne eines heilsgeschichtli-chen Weges vom Profanen zum Numinosen, den der Kirchenraum vomEingang zum Sanktuarium hin repräsentiert, bleibt für diese Nothelferin der Regel der erweiterte Eingangsbereich der Kirche vorbehalten.Gleichzeitig ist hier auch der Raum für Spenden, die für Opferlichter,Messintentionen, Blumenschmuck entgegengenommen werden; nahedem Antonius- Altar steht zudem ein» Antonius- Opferstock für dieGruft und für die Armen der Pfarre<< bereit.
Gewichtigere Interzessoren, die über die Sphäre der alltäglichenWidrigkeiten und Missgeschicke hinausweisen, finden sich dann wei-ter im Kircheninneren: In den Seitenkapellen des zweiten Jochs findensich Altäre der Heiligen Johannes Nepomuk und Joseph, die beide eineKarriere als Reichsheilige der Monarchie hinter sich haben. Zunächstder heilige Joseph: Thomas Winkelbauer hat gezeigt, dass die habsbur-gischen Kaiser sich seit Ferdinand II. bemühten,» die Integration ihresLänderkomplexes auch durch die Propagierung gemeinsamer Kultfor-
25 Karl Immermann: Sanct Antonius. In: Karl Immermann's Schriften, I. Band: Ge-dichte. Düsseldorf 1835, S. 174-180, hier S. 180.
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Zu einem besonders interessanten Kapitel aus der Wirkungsgeschichte des heiligenJudas Thaddäus vgl. Herbert Nikitsch:»... den unsern Jammer, der anders brennt<<.Verortungen der Judas- Thaddäus- Verehrung im Ersten Weltkrieg und»> in unsererZeit«<. In: Gottfried Korff( Hg.): Alliierte im Himmel. Populare Religiosität undKriegserfahrung(= Untersuchungen des Ludwig- Uhland- Instituts der UniversitätTübingen, 99). Tübingen 2006, S. 223–262.
Einen ausgezeichneten Überblick über die insbesondere von Leopold I. propagier-ten habsburgischen Staats- und Reichsheiligen geben Winkelbauer( wie Anm. 12),S. 194-210, und Stefan Samerski: Hausheilige statt Staatspatrone. Der miẞlungeneAbsolutismus in Österreichs Heiligenhimmel. In: Petr Mat'a/ Thomas Winkelbau-er( Hg.): Die Habsburgermonarchie 1620 bis 1740. Leistungen und Grenzen desAbsolutismusparadigmas, Stuttgart 2006, S. 251–278. Zur Geschichte der>> politi-schen Heiligen<< im Mittelalter vgl. den umfassenden Sammelband von Jürgen Pe-tersohn( Hg.): Politik und Heiligenverehrung im Hochmittelalter(= Vorträge undForschungen, hg. vom Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte, 62).Sigmaringen 1994.