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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 3+ 4
Leeuw:>> Heiliger Raum ist ein Ort, der zur Stätte wird, indem sich anihm die Wirkung der Macht wiederholt oder vom Menschen wiederholtwird«<. 21 Am Beispiel des Mariahilfer Kirchenraums werden wir also se-hen, dass dieser Ort immer auch im Sinne eines machtpolitischen Pro-gramms organisiert ist eines Programms, das sich an dem als heilig
definierten Raum selbst ablesen lässt.
In der Mitte des kleinen Platzes vor der Wallfahrtskirche Mariahilfbefindet sich seit Ende des 19. Jahrhunderts ein elegantes Standbild Jo-seph Haydnsringsum werden saisonale Produkte angeboten, im De-zember gruppieren sich hier die Stände eines kleinen Weihnachtsmarkts.Dahinter erhebt sich die in weiß und grau gehaltene Schaufassade derKirche mit ihren beiden Türmen( Abb. 1). Der Giebel wird bekrönt voneiner Statue des heiligen Paulus, der auf die Ordensgemeinschaft derBarnabiten, der Regularkleriker vom Hl. Paulus, verweist. Begründerder Mariahilfer Wallfahrt war der Barnabit Don Coelestin Joanelli, derdas Gnadenbild in der hier befindlichen Friedhofskapelle aufstellte. Da-mit ist ein erstes Leitmotiv des ikonographischen Programms der Kircheangesprochen: der Rekurs auf Patrone und Gründerfiguren der betreu-enden Kongregation, der sich im Innern der Kirche etwa am Alexander-Sauli- Altar im linken Querschiff oder in der seltenen Darstellung derTaufe Theklas durch Paulus wiederfindet. 22 Nach dem Eintritt in denKirchenraum fallen aber zunächst zwei an den Turmpfeilern angebrach-te Schmuckvitrinen mit goldenen Statuetten der» Apostelfürsten<< Petrusund Paulus auf. Sie betreuen zwei steinerne Opferstöcke für Gaben» fürdie Kirche<< und repräsentieren so bereits im Eingangsbereich die Kircheals Institution. Die Eintretenden werden an dieser Stelle aufgefordert,ihren materiellen Beitrag für die weltliche Konsolidierung der ecclesia zuentrichten. Auf symbolische» Säulen« der Institution Kirche verweisenauch die sechs ovalen Leinwandbilder an den Pfeilern der Saalkirche,
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Gerardus van der Leeuw: Phänomenologie der Religion. 2. Aufl. Tübingen 1954,S. 446.
Der Kenner der Wallfahrtskirche Waldemar Posch deutet diese Darstellung als Tau-fe Lydias durch Paulus( vgl. P. Waldemar Posch: Wallfahrtskirche Mariahilf Wien.5. Aufl. Salzburg 2008, S. 16.), ich folge dagegen dem Dehio- Handbuch: Die Kunst-denkmäler Österreichs, Wien. II. bis IX. und XX. Bezirk, bearbeitet von WolfgangCzerny u.a., Wien 1993, S. 246, und Eva- Maria Gärtner: Auf den Spuren des hl.Paulus in Mariahilf, 2. Teil. In: Pfarrblatt der Pfarre Mariahilf 6. Jg., Ausgabe 2,2009, nach denen es sich hier um eine Darstellung der Taufe Theklas handelt.