Aufsatz in einer Zeitschrift 
Jüdische Volkskunde? : Agenden, Hypotheken, Perspektiven
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Bernhard Tschofen, Jüdische Volkskunde? Agenden, Hypotheken, Perspektiven

Tradition für Europas Denken auf der einen und für die mystischen Be-wegungen der Moderne auf der anderen Seite mit tragfähigen Konzep-ten untersucht wird.41

2.) Eine Erwähnung in mehr als nur einer Fußnote zu diesem Aus-blick in wissensgeschichtliche und wissensanthropologische Fragen aneine Jüdische Volkskunde verdienen die Museen als Orte und Medien ei-ner Aushandlung des Jüdischen in Geschichte und Gegenwart. Denn geradedie jüdischen Museen selbst haben sich in den letzten Jahren zu Zentreneiner reflektierten und theoretisch begründeten Praxis entwickelt. Da-mit einher geht eine durch die Konzepte der internationalen MuseumStudies/ New Museology geschärfte Aufmerksamkeit für die historischeepistemische Praxis der Museen. Nach der Krise der Repräsentation ha-ben sich diese Häuser die Frage nach dem Sammeln und Darstellen desJüdischen als Prozess seiner Konstruktion besonders intensiv gestellt,und es ist mehrfach darauf hingewiesen worden, dass die spezifischeSituation einer jüdischen Erinnerungskultur nach der Schoa auch nacheiner Sichtbarmachung der besonderen Bedingungen der Konstituierungeines jüdischen Erbes verlangt. Felicitas Heimann- Jelinek hat mit ihrertitelgebenden Frage» Welches Volk und welche Kunde?«< daher nicht nurdie Aufmerksamkeit auf Museen als Akteure des» Kultur- Sammelns«< 42gerichtet, sondern dabei auch die Frage nach dem Nichtgesammeltenformuliert. Das Jüdische konstituiert sich( im Museum) in Relation zum( christlichen)> Anderen<, aber auch zum eigenen Anderen<. VerwandteFelder, etwa die Entdeckung der jüdischen Volkskunst durch die Re-formbewegungen der Jahrhundertwende oder die Materialisierung derVorstellungen des Jüdischen im zeitgenössischen Synagogenbau machendies auf ähnliche Weise deutlich. Wie museales Sammeln auch, bedienendie damit verbundenen Diskurse und Praktiken die Institutionalisierungeines kulturellen Gedächtnisses; sie tragen zur Einschreibung aktuali-sierter und funktionalisierter Traditionen in das Projekt einer jüdischenModerne bei.

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Mit verschiedenen Beiträgen zur säkularen Kabbala- Rezeption vgl. u.a. Andreas Kil-cher, Philipp Theisohn( Hg.): Die Enzyklopädik der Esoterik. Allwissenheitsmy-then und universalwissenschaftliche Modelle in der Esoterik der Neuzeit. Paderborn

2010.

42 Grundlegend dazu James Clifford: On Collecting Art and Culture. In: Ders.: ThePredicament of Culture. Twentieth- Century Ethnography, Literature, and Art.Cambridge, Mass. 1998, S. 215-251.

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