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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 3+ 4
Beispiel des Beitrags» Die Juden«< im Galizien- Band des so genanntenKronprinzenwerks in groben Zügen skizziert39; ihre genauere Untersu-chung ist indes bis heute Desiderat geblieben. Dabei böte allein der zwi-schen dem Czernowitzer Historiker und Volkskundler Raimund Fried-rich Kaindl und Karl Emil Franzos ausgetragene Streit über die Legiti-mität der literarischen Ethnographie einen Anknüpfungspunkt für dieVermessung der vielfältig ineinandergreifenden und konkurrierendenMilieus und Wissensformate im Prozess der Transformation jüdischerLebenswelten. Gerade für die Konstituierung der ethnographischen Re-gionen im Osten der Habsburgermonarchie ist die Gleichzeitigkeit derAkteure und Praktiken in den Feldern der Wissenschaften und Künsteunübersehbar.
Eine nicht unwesentliche Rolle spielt in diesem Zusammenhang diegleichfalls in wissensanthropologischen Begriffen zu fassende Szientifi-zierung des Judentums. Sie trägt, wie Klaus Hödl und Eberhard Wolffgezeigt haben, durch eine sozial- und medizinwissenschaftliche Begrün-dung erfahrener Differenz zur Neuordnung der maßgeblichen Wissens-ordnungen bei. Aber sie bringt nicht nur eine Verwissenschaftlichungdes Diskurses mit sich und verändert die Selbstauslegung der Riten undTraditionen, sondern sie macht als Säkularisierung umgekehrt die reli-giös gebundenen Wissensbestände auch frei für die Transformation inmoderne Kontexte. 40 Das Interesse des modernen Judentums an derTradition ist also nicht zuletzt ein Interesse an alternativen Wissensord-nungen. Hier wäre eine Annäherung der Beschäftigung mit JüdischerVolkskunde an die zeitgenössische Esoterikforschung anzustreben, inder gerade etwa mit Blick auf die Kabbalistik die Rolle jüdischer
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struktionen im Leben und Werk von Karl Emil Franzos( 1847-1904). Hildesheim,New York 2010.
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die Lesewelt auffordernd zu einer Wanderung durch weite, weite Lande, zwi-schen vielsprachigen Nationen, inmitten stets wechselnder Bilder«<. Zur Geschich-te des Monumentalwerkes» Die österreichisch- ungarische Monarchie in Wort undBild«<, dargestellt am Beispiel des 1898 erschienenen Bandes Galizien. In: Klaus Beitl( Hg.): Galizien. Ethnographische Erkundung bei den Bojken und Huzulen in denKarpaten(= Kittseer Schriften zur Volkskunde, 9). Wien 1998, S. 43–55.Diesen Prozess der Wandlung von Mystik zu Zauberei hat Christoph Daxelmüllermit Hinweis auf das Verhältnis zwischen Volksliteratur und Kabbalistik skizziert.Vgl. Christoph Daxelmüller: Kabbala und Kabbalistik in der Volksliteratur. In:Eveline Goodman- Thau( Hg.): Kabbala und die Literatur der Romantik. Tübingen1999, S. 235-258.