Aufsatz in einer Zeitschrift 
Jüdische Volkskunde? : Agenden, Hypotheken, Perspektiven
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Bernhard Tschofen, Jüdische Volkskunde? Agenden, Hypotheken, Perspektiven

auch und gerade durch außerakademische Akteure und Medien sowohlproduziert als auch kommuniziert wird. Die Rolle, die dabei etwa derGenremalerei eines Moritz D. Oppenheim oder eines Isidor Kaufmannzukommt, haben Klaus Hödl und Bernhard Purin bereits an verschiede-ner Stelle exemplarisch betont.3

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Unter wissenskulturellen Aspekten weitgehend ununtersucht ge-blieben ist hingegen bislang die Ghettoliteratur36, deren Bedeutung fürdie Formierung volkskundlicher Interessen freilich kaum überschätztwerden kann. Die Arbeiten aus dem Umfeld von Heiko Haumann ha-ben diese in jüngerer Zeit als Vehikel des Wissenstransfers und Ort derGenerierung des Wissens über die Juden durch eine als Interaktion auf-zufassende literarische Praxis ins Bewusstsein gerufen. 37 Ghettoliteraturist mithin nicht als Literatur der Peripherie zu begreifen, sondern alsAbbild der Relation zwischen den( nicht nur räumlich zu denkenden)Zentren und Peripherien europäischen Judentums, der Beziehungenauch zwischen ostjüdischer Lebenswelt und moderner Bürgerlichkeit.Zu wünschen wäre in diesem Zusammenhang etwa eine Untersuchungder> heimlichen Volkskunden eines Leo Herzberg- Fränkel( Brody1827-1915 Teplitz) oder eines Karl Emil Franzos( Czortkov 1848- Berlin1904) 38. Reinhard Johler hat solche Fragen bereits vor einigen Jahren am

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35 Klaus Hödl: Wiener Juden jüdische Wiener. Identität, Gedächtnis und Perfor-manz im 19. Jahrhundert(= Schriften des Centrums für Jüdische Studien, 9). Inns-bruck 2006, hier v.a. S. 101-110. Vgl. Bernhard Purin: Isidor Kaufmanns kleineWelt. Die>> Gute Stube«<< im Wiener Jüdischen Museum. In: Tobias G. Natter( Hg.):Isidor Kaufmann 1853-1921. Wien 1995, S. 128–145.

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Zur bislang weitgehend literaturhistorischen Perspektive vgl. v.a. Kenneth H. Ober:Die Ghettogeschichte. Entstehung und Entwicklung einer Gattung(= Kleine Schrif-ten zur Aufklärung, 11). Wolfenbüttel/ Göttingen 2001; Gabriele von Glasenapp:Aus der Judengasse. Zur Entstehung und Ausprägung deutschsprachiger Ghettolite-ratur im 19. Jahrhundert. Tübingen 1996; Dies., Hans Otto Horch: Ghettoliteratur- eine Dokumentation zur deutsch- jüdischen Literaturgeschichte des 19. und frühen20. Jahrhunderts(= Conditio Judaica, 53-55). Tübingen 2005.

37 Heiko Hauman( Hg.): Luftmenschen und rebellische Töchter. Zum Wandel ostjü-discher Lebenswelten im 19. Jahrhundert. Köln, Weimar, Wien 2003; vgl. Ders.:Schtetl und Judendorf. Grenzüberschreitende Kulturen und Autonomiebewusstsein.In: Osteuropa 58( 8-10), 2008, S. 147–164.

38 Grundlegend im Sinne einer kulturwissenschaftlichen Literaturforschung dazu Pet-ra Ernst( Hg.): Karl Emil Franzos. Schriftsteller zwischen den Kulturen(= Schriftendes Centrums für Jüdische Studien, 12). Innsbruck 2007; vgl. jetzt auch Anna Do-rothea Ludewig: Zwischen Czernowitz und Berlin. Deutsch- jüdische Identitätskon-

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