Bernhard Tschofen, Jüdische Volkskunde? Agenden, Hypotheken, Perspektiven
erscheint die Verbindung von historisch- ethnographischer Tiefensichtund diachroner Perspektive: dadurch wird sichtbar, wie der moderneStaat nicht nur die Transformation von kultischen Zuschreibungen zum> semantischen Juden ‹ rahmt, sondern auch gemeinsame Erfahrungshori-zonte bereitstellt( auch im Sinne der Verständigung über die mehr oderweniger stark erfahrene Differenz).
Utz Jeggle, dessen Andenken dieser Aufsatz gewidmet ist, hat mitseiner 1969 erschienenen Dissertation» Judendörfer in Württemberg« 19den Grundstein für die neueren volkskundlichen Arbeiten zur Geschich-te und Kultur der Juden in dem oben skizzierten Sinn gelegt. Einemkonsequent gedächtnisorientierten Ansatz verpflichtet sind zahlreiche inder Folge entstandene eigene Untersuchungen wie auch von ihm ange-regte oder betreute Arbeiten. 20 So reicht sein Einfluss auch und beson-ders in die folgenden auszumachenden Arbeitsschwerpunkte der volks-kundlichen jüdischen Studien hinein.
2.) Als zweites schwerpunktmäßig vertretenes Gebiet ist der Kom-plex von Vertreibung und Vernichtung des europäischen Judentums zu nen-nen. Angeführt werden könnten und sollten hier auch Arbeiten aus denInstituten in Würzburg²¹, Marburg 22 und Bonn 23. Es verbindet sieganz im Sinne der volkskundlich- kulturwissenschaftlichen Perspektive-die Konzentration auf die symbolische Dimension der Herstellung vonDifferenz und Ausgrenzung. Wie subtil und umfassend NS- Herrschaftund Gewalt die Auslöschung auch der Erinnerungen an jüdische Kulturbetrieben haben, zeigt etwa die 2008 abgeschlossene Magisterarbeit von
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Berg 1779-1847(= Bergische Forschungen, 30). Neustadt a.d. Aisch 2007 sowie dieBasler historische Arbeit von Alexandra Binnenkade: KontaktZonen. Jüdisch- christ-licher Alltag in Lengnau(= Industrielle Welt, 75). Köln, Weimar, Wien 2009.Utz Jeggle: Judendörfer in Württemberg(= Volksleben, 23). Tübingen 1969.Zuletzt Utz Jeggle( Hg.): Erinnerungen an die Haigerlocher Juden. Ein Mosaik(= Untersuchungen des Ludwig- Uhland- Instituts der Universität Tübingen, 92).Tübingen 2000. Für einen Überblick vgl. auch Reinhard Johler u.a.( Hg.): JüdischeStudien am Ludwig- Uhland- Institut für Empirische Kulturwissenschaft(= Tübin-ger Korrespondenzblatt, 54). Tübingen 2002.
Exemplarisch Christoph Daxelmüller:» Mörder, Betrüger, Volksverhetzer«. Fran-ken und die Pragmatisierung von Antijudaismus und Antisemitismus. In: AndreaM. Kluxen( Hg.): Antijudaismus und Antisemitismus in Franken. Ansbach 2009,S. 11-32.
Hier v.a. die verschiedenen Arbeiten Karl Brauns zum KZ Theresienstadt; vgl. dasStudienprojekt» Transport XV/ 1. Marburg- Theresienstadt<<.
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