Aufsatz in einer Zeitschrift 
Jüdische Volkskunde? : Agenden, Hypotheken, Perspektiven
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638 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXIV/ 113, 2010, Heft 3+ 4

tural Studies umso stärker zur Geltung, denn auch die Cultural Studiesder zunächst britischen, dann vor allem US- amerikanischen Traditionwollten und wollen nicht als Fach verstanden werden, das seine kogni-tive Identität aus verbindlichen Paradigmen bezieht, sondern als offenesinterdisziplinäres Projekt, das sich in Zusammensetzung und Orientie-rung verändern kann und soll. Lawrence Grossberg hat daher folgerich-tig die Cultural Studies einmal mit dem treffenden Bild einer Karawaneverglichen, der sich Leute unterschiedlichen Hintergrunds eine Zeit langanschließen können, auch wenn sie nicht alle dasselbe Ziel haben. 10 Dasscheint mir in ganz ähnlicher Weise für die internationalen Jewish Stu-dies zu gelten, und vielleicht kann man sich um den Kreis wieder zuschließen auch die historische jüdische Volkskunde ähnlich vorstellen:als eine>> community of practice« ¹, in der auch wenn über Namen undProgramme gestritten worden ist ganz unterschiedliche Akteure mitje verschiedenen Hintergründen und Interessen zusammengekommensind, zusammengehalten primär durch den gemeinsamen Gegenstand.

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Das ist ein im Grunde überaus modernes Konzept, dem ein hohesMaß an Anschlussfähigkeit für eine mögliche Erneuerung der volks-kundlichen jüdischen Studien eignet. Dennoch und gerade deshalb er-scheint am Ende dieser begriff skritischen Vorbemerkung noch ein Hin-weis unersetzlich: Es ist der Hinweis auf den Kulturbegriff, durch densich gegenwärtiges Arbeiten in diesem Feld von jenem der älteren jüdi-schen Volkskunde unterscheiden muss. 12 Zielte diese in Anlehnung andie in der Volkskunde überhaupt dominanten Paradigmen auf ein bei al-len Unterschieden identitätsstiftendes gemeinsames Erbe, so machen so-wohl die historischen Konditionen jüdischen Lebens als auch die durchdiese maßgeblich bestimmten gegenwärtigen Konstellationen die jüdi-schen Studien zum Testfall eines differenzorientierten Kulturbegriffs.Nur ein auf die Herstellung von und den Umgang mit Differenz fokus-

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In der m. W. unpublizierten» Wiener Vorlesung« vom 27. Feb. 2003»> Between Bir-mingham and Babel. A Hitchhikers- Guide to Cultural Studies<<.

Als( lernende) Wissensgemeinde konzipiert bei Etienne Wenger: Communities ofPractice Learning, Meaning, and Identity. Cambridge( UK) 1999.

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12 Beispielhaft in Beziehung gebracht bei Joachim Schlör: Das Ich der Stadt. Debattenüber Judentum und Urbanität, 1822-1938(= Jüdische Religion, Geschichte und Kul-tur, 1). Göttingen 2005. Vgl. Ders.: Konstruktionen- Exkursionen Deutungen.Auf dem Weg zu einer europäischen Kulturgeschichte. In: Raphaël( wie Anm. 2),S. 469-497.