Barbara Staudinger, Der kategorisierende Blick der» Jüdischen Volkskunde<<
land« von Joseph Roth, in» Der Neue Tag« im Jahr 1919 veröffentlicht, ³bei, der auf das authentisch jüdische Leben in den Schewa Kehilloteinging. Bei Max Grunwald findet sich dann die wissenschaftlich- do-kumentarische Aufarbeitung dieser Nostalgie: Sein 1924 erschienener,ca. 160 Seiten umfassender Aufsatz zur Geschichte und Kultur der jüdi-schen Gemeinde im burgenländischen Mattersdorf( heute Mattersburg)behandelt vor allem die Bräuche und Riten dieser Gemeinde ausführlich.Das orthodoxe jüdische Leben von Mattersdorf, das» den ehrwürdigstenGemeinden zuzuzählen« sei, sollte im Kontrast zum assimilatorischenWien stehen.36 Es war dies eine bewusste Rückbesinnung auf» das ge-mütvolle, sentimentale Judentum der Oppenheimischen Genrebilder<<oder der ostjüdischen Motive Isidor Kaufmanns.37» Jüdisches«< wurdeim wissenschaftlichen wie auch im romantischen Diskurs zusehends mit» Ostjüdischem<< gleichgesetzt.
Drittens: Wie Museen, so hatte sich auch die Jüdische Volkskun-de bereits zu Beginn mit dem Problem auseinanderzusetzen, was nun>> jüdisch<< sei und was nicht. Kulturtransfers, wie den Forschern durch-aus bewusst war, machten es oft nicht leicht, zwischen» jüdischer«< und>> nichtjüdischer<< Kultur zu unterscheiden. Und wahrscheinlich waren siesich auch der Problematik dieses Ausschlussprinzips, dass die jüdischeMinderheit von der deutschen Mehrheitskultur trennte und als etwas>> Exotisches Glossar ::: zum Glossareintrag Exotisches<< markierte, bewusst. Beispielhaft soll dies noch einmal fürdie Sammlung» Aus Hausapotheke und Hexenküche« besprochen wer-den. Max Grunwald betont bereits in seinem Vorwort, dass der» Volks-glaube«<, der in dieser Sammlung repräsentiert wäre, Ergebnis intensiverKontakte zwischen jüdischer und deutscher Kultur sei, so dass jüdischer
35 Joseph Roth:» Reise durchs Heanznland«. In: Der Neue Tag, 9. August 1919; Wie-derabdruck in: Klaus Westermann( Hg.): Joseph Roth Werke I: Das journalistischeWerk 1915-1923. Köln 1989, S. 100-116.
36 Max Grunwald: Mattersdorf. In: Jahrbuch für jüdische Volkskunde 26/27, 1924/25,S. 402-563, Zitat S. 404.
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Auch dies hatte seine Parallele im Museum. Vgl. Bernhard Purin: Isidor Kaufmannskleine Welt. Die» Gute Stube« im Wiener Jüdischen Museum. In: G. Tobias Nat-ter: Rabbiner- Bocher- Talmudschüler. Bilder des Wiener Malers Isidor Kaufmann1853-1921. Ausstellungskatalog. Wien 1995, S. 128-145; ders.:» Wo ein jüdischesHerz wirklich ausruhen kann...«<< Notizen zur jüdischen Volkskunst im Museum. In:Herbert Nikitsch, Bernhard Tschofen( Hg.): Volkskunst. Referate der Österreichi-schen Volkskundetagung 1995.(= Schriftenreihe der Österreichischen Zeitschrift fürVolkskunde, 14). Wien 1997 S. 103–123.
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