Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde113 (2010) / N.S. 64Staudinger, Barbara: Der kategorisierende Blick der »Jüdischen Volkskunde«

  
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Der kategorisierende Blick der »Jüdischen Volkskunde« : die volkskundliche Wissenschaft und das »Jüdische«
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Barbara Staudinger, Der kategorisierende Blick der» Jüdischen Volkskunde<<

einsgründungen ein jüdisches Pendant entgegen zu setzen. In diesemKontext rief Max Grunwald 1895 die Gesellschaft für Jüdische Volks-kunde ins Leben. 10

Was aber sollte im Detail gesammelt, bewahrt und erforscht werden?Der Kunsthistoriker Theodor Harburger, der in den 1920er Jahren einInventarisierungsprojekt zur jüdischen Volkskunst durchführte und inden bayerischen und fränkischen Landgemeinden» jüdische Kunstdenk-mäler<< fotografierte," orientierte sich dabei an der Definition von GeorgDehio( 1850-1932), dem Vater der Denkmalpflege. 12 Dass das, was erals>> jüdische Kunst« fotografierte, oft Produkte christlicher Handwerks-kunst waren, war Harburger dabei bewusst. Zwar legte er auch Wertdarauf, dass die von ihm erfassten Gegenstände möglichst hohe künstle-rische Qualität aufwiesen, wichtig war ihm jedoch auch, das» Typische<<zu erfassen, das»> Authentische«<. Die beiden letzten Kategorien, das»> Ty-pische<< und das» Authentische«<, waren auch die wesentlichen Kategori-en für das Sammeln immaterieller Güter. Auf diesen Aspekt werde ichnoch zurückkommen.

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Für Österreich siehe das in Kürze erscheinende Buch Evelyn Adunka, Gerald Lam-precht, Georg Traska( Hg.): Jüdisches Vereinswesen in Österreich im 19. und 20.Jahrhundert. Innsbruck, Wien, Bozen 2010(= Schriften des Centrums für JüdischeStudien, 18).

Siehe neben der in Anm. 3 angeführten Literatur Christoph Daxelmüller: JüdischeVolkskunde in Deutschland zwischen Assimilation und neuer Identität. Anmerkun-gen zum gesellschaftlichen Bezug einer vergessenen Wissenschaft. In: WolfgangJacobeit, Hannjost Lixfeld, Olaf Bockhorn u.a.( Hg.): Völkische Wissenschaft. Ge-stalten und Tendenzen der deutschen und österreichischen Volkskunde in der erstenHälfte des 20. Jahrhunderts. Wien u. a. 1994, S. 87–114. Auf diese Arbeiten aufbau-end vgl. Schatz( wie Anm. 3). Zum Vereinsleben siehe z. B. Erika Hirsch: JüdischesVereinsleben in Hamburg bis zum Ersten Weltkrieg. Jüdisches Selbstverständniszwischen Antisemitismus und Assimilation. Frankfurt/ Main 1996.

11 Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler inBayern, hrsg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jeru-salem und dem Jüdischen Museum Franken- Fürth& Schnaittach. 3 Bde., Fürth1998.

12 Vgl. z. B.: Georg Dehio: Denkmalschutz und Denkmalpflege im neunzehnten Jahr-hundert. Festrede an der Kaiser- Wilhelms- Universität zu Straßburg, den 27. Januar1905. In: Ders.: Kunsthistorische Aufsätze. München, Berlin 1914, S. 261-281, hierS. 268:» Wir konservieren ein Denkmal nicht, weil wir es für schön halten, sondernweil es ein Stück unseres nationalen Daseins ist. Denkmäler schützen heißt nichtGenuß suchen, sondern Pietät üben. Ästhetische und selbst kunsthistorische Urteileschwanken, hier ist ein unveränderliches Wertkennzeichen gefunden.<<

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