Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde113 (2010) / N.S. 64Staudinger, Barbara: Der kategorisierende Blick der »Jüdischen Volkskunde«

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Der kategorisierende Blick der »Jüdischen Volkskunde« : die volkskundliche Wissenschaft und das »Jüdische«
Seite
525
Einzelbild herunterladen
 

Der kategorisierende Blick.

der>> Jüdischen Volkskunde«:Die volkskundliche Wissenschaftund das>>> Jüdische<<

Barbara Staudinger

>> Freilich kommt es viel auf den Charakter, auf die Neigung einesLiebhabers an, wohin die Liebe zum Gebildeten, wohin der Samm-lungsgeist, zwei Neigungen, die sich oft im Menschen finden, ihreRichtung nehmen sollen, und ebensoviel, möchte ich behaupten,hängt der Liebhaber von der Zeit ab, in die er kommt, von den Um-ständen, unter denen er sich befindet, von gleichzeitigen Künstlernund Kunsthändlern, von den Ländern, die er zuerst besucht, von denNationen, mit denen er in irgendeinem Verhältnis steht.<< ¹

Vorbemerkung

Wissenschaftliches Interesse und Sammeln, so könnte man das vorangestellte Zitat von Johann Wolfgang von Goethe weniger poetisch über-setzen, hängt nicht nur von der Persönlichkeit und den Interessen desEinzelnen ab, sondern mindestens im gleichen Maße von unterschiedli-chen Faktoren wie Zeit, Umfeld, Ort und Kultur, von unterschiedlichenKontexten also, die es zu untersuchen gilt, will man den Sammler ver-stehen. Eine weitere Ebene kommt hinzu, wenn die Objekte selbst, dieSammlung von Gegenständen oder auch Texten, in den Fokus des Inte-resses tritt. Denn die Objekte erzählen eine Geschichte, wurden durch

1

Johann Wolfgang von Goethe: Gedenkausgabe der Werke, Briefe und Gespräche,hg. von Ernst Beutler. 23 Bde., 3 Erg.- Bde., Zürich, Stuttgart 1948-1971, Bd. 13:Schriften zur Kunst. Zürich, Stuttgart 1956. Der Sammler und die Seinigen, 1. Brief,S. 261.