506 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 3+ 4
Römertum aufgehört hatte. Auch Juden wohnten seit alten Zeiten hier,wenn auch urkundlich erst seit dem 14. Jahrhundert nachweisbar.<< 29
Ob es tatsächlich schon im römischen Pannonien jüdische Siedlun-gen gegeben hat oder ob die im städtischen Museum von Szombately be-wahrten antiken Menorot und Keramikölleuchter von Juden stammen,welche nicht ständig in der Region gelebt haben, kann auch heute nichtmit letzter Sicherheit gesagt werden, doch wollen gerade Wolfs Versu-che, eine möglichst lange jüdische Siedlungsgeschichte in der Regionnachzuweisen, bemerkenswert erscheinen. Bemerkenswert deshalb, weiles in einer Zeit, da die Zugehörigkeit des Burgenlandes zu Österreichnoch keine Selbstverständlichkeit war und sich die burgenländische Be-völkerung( wie auch die österreichische Bevölkerung insgesamt) erst all-mählich selbst finden musste, darauf ankam, die Präsenz der Juden in derGegenwart durch den Nachweis der langen Dauer ihrer Anwesenheit zulegitimieren.30
Legitimiert werden jedoch sollte mit den von Wolf herausgegebenenund geförderten Arbeiten Wachsteins aber durchaus noch mehr: Etwader Fortbestand der autonomen jüdischen Gemeinde von Eisenstadt- Un-terberg, wie sich aus Wolfs Vorwort zu Wachsteins zweiter dokumen-tarischen Burgenland- Arbeit herauslesen lässt: Explizit nimmt der Her-ausgeber hier Stellung gegen die Anfang der zwanziger Jahre einsetzen-den Bestrebungen, die in dieser Funktion noch junge LandeshauptstadtEisenstadt mit der- auch politisch – selbstständigen jüdischen Gemein-de zu fusionieren und somit deren Selbstverwaltung zu beenden, wobeiausdrücklich darauf verwiesen wird, dass die Urkunden und Akten derSiebengemeinden den Beleg dafür erbrächten, dass Juden sich sehr wohl>> selbst regieren« könnten.³¹ Folglich fordert Wolf einen Ausweg,»> derden Fortschritt zu einem Groß- Eisenstadt nicht hemmt und uns doch
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Sándor Wolf: Geleitwort. In: Wachstein( wie Anm. 21), S. V- VIII, hier S. V- VI.30 Wolfs Bestrebungen lassen sich durchaus analog zu den Gründungen Jüdischer Mu-seen an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert deuten, welche Konrad Köstlin alsden Versuch begreift, die( lange) eigene Geschichte der Juden am Ort als Nachweisder gesellschaftlichen Zugehörigkeit und der Verwurzelung am Ort zu belegen. Vgl.:Konrad Köstlin: Versuchte Erdung. Oder: Der» jüdische Beitrag zur Wiener Kul-tur. In: Freddy Raphaël( Hg.):»... das Flüstern eines leisen Wehens...<< Beiträge zuKultur und Lebenswelt europäischer Juden. Festschrift für Utz Jeggle. Konstanz2001, S. 451-466.
31 Sándor Wolf: Geleitwort. In: Wachstein( wie Anm. 22), S. V- VII, hier S. VI.