Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde113 (2010) / N.S. 64Hörz, Peter F. N.: »Treue zur Tradition heißt nicht, Mumien zu konservieren, sondern Leben zu bewahren«

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
»Treue zur Tradition heißt nicht, Mumien zu konservieren, sondern Leben zu bewahren« : was die Erforscher jüdischer Kultur im Burgenland suchen, finden, bewahren und pflegen woll(t)en und was sie damit bezweck(t)en
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502 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXIV/ 113, 2010, Heft 3+ 4

mit ei-

an der Konstruktion eines Bildes von jüdischer Kultur im Burgenland.Und sie alle arbeiteten wie sich an der mittlerweile vergleichsweisestattlichen Zahl von Monographien, Aufsätzen, Tagungsdokumenten,Rundfunkmanuskripten und Zeitungsbeiträgen ablesen lässtnigem Fleiß an der Konstruktion dieses Bildes. Und mag an diesem Bildauch, aus den oben genannten Erwägungen, unter sorgsamem Verzichtauf jeden Grauton allzu lange in Pastellfarben gemalt worden sein, so istdoch bemerkenswert, dass die Arbeit an diesem Bild nicht nur früher be-gonnen, sondern auch intensiver betrieben worden ist als andernorts

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Die Auseinandersetzung mit der jüdischen Kulturgeschichte desBurgenlandes begann aber nicht erst nach Vertreibung, Schoa und Be-freiung vom Nationalsozialismus: Vielmehr zeigt sich, dass die jüdischeKultur dieser Region bereits Anfang des 20. Jahrhunderts in den Fokuskulturhistorischer Aufmerksamkeit gerückt ist. Etwa in das Blickfeldvon Moritz Markbreiter, der 1908 seine» Beiträge zur Geschichte derjüdischen Gemeinde Eisenstadt«< 16 veröffentlichte oder auch in jenes vonAlfred Fürst, der 1908 Aufzeichnungen über» Sitten und Gebräuche ei-ner Judengasse«< 17 und zwar der Judengasse von Eisenstadt- gedrucktvorlegte und darin durchaus Gegenstände aufgriff, die im engeren Sinneals>> volkskundliche«< Gegenstände verstanden werden können. Was aberbei Fürst noch vergleichsweise unsystematisch wirkt und willkürlichemSammeleifer geschuldet zu sein scheint, wurde in der Zwischenkriegs-zeit zunehmend geordnet und strukturiert angegangen. Zum Beispielvon Leopold Moses, der Mitte der zwanziger Jahre» Inschriften und Ur-kunden aus den Siebengemeinden«< 18, also des» Dachverbandes«< der jüdi-schen Gemeinden von Eisenstadt, Kittsee, Frauenkirchen, Mattersdorf,Kobersdorf, Lackenbach und Deutschkreutz, sowie» Urkunden undInschriften aus dem südlichen Burgenland«< 19 zusammentrug und seinsammlerisches Interesse Ende der zwanziger Jahre noch einmal durch

16 Moritz Markbreiter: Beiträge zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Eisenstadt.Wien 1908.

17

Alfred Fürst: Sitten und Gebräuche einer Judengasse. Székesfehérvár 1908.

18 Leopold Moses: Inschriften und Urkunden aus den Siebengemeinden. Frankfurt/ M.1927.

19 Ders.: Urkunden und Inschriften aus dem südlichen Burgenland. In: Jüdisches Ar-chiv. Zeitschrift für jüdisches Museal- und Buchwesen, Geschichte, Volkskunde undFamilienforschung 2, 1928, 6, S. 19-22.