498
Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 3+ 4
tungen einer Auseinandersetzung mit burgenländisch- jüdischen Themen-stellungen gelten.
Bemerkenswert ist aber auch, dass sich bereits in den siebziger Jah-ren des 20. Jahrhunderts die Zahl der Veröffentlichungen über die aus-gelöschten jüdischen Gemeinden im östlichsten Teil Österreichs deut-lich verdichtete: Zu verweisen ist hier zunächst auf das 1970 in Tel Aviverschienene, von Hugo Gold herausgegebene» Gedenkbuch der unterge-gangenen Judengemeinden des Burgenlandes«<. 4 Erwähnt werden müssenfreilich auch ein Aufsatz von Nikolaus Vielmetti über» Das Schicksal derjüdischen Gemeinden des Burgenlandes« 5, der in einem 1971 erschiene-nen Sammelband veröffentlicht worden ist und die Erinnerungen an dasLeben>> Im Ghetto<< des nach 1938 vertriebenen Mattersburger ArztesRichard Berczeller. Zu nennen sind darüber hinaus die 1975 erschiene-nen>> Beiträge zur Geschichte der Mattersdorfer Judengemeinde im 18.Jh. und in der ersten Hälfte des 19. Jh.« von Fritz P. Hodik³.
4
5
6
7
Hugo Gold: Gedenkbuch der untergegangenen Judengemeinden des Burgenlandes.Tel Aviv 1970.
-
Nikolaus Vielmetti: Das Schicksal der jüdischen Gemeinden des Burgenlandes. In:Burgenländisches Landesarchiv( Hg.): 50 Jahre Burgenland. Vorträge im Rahmen derlandeskundlichen Forschungsstelle am Landesarchiv. Eisenstadt 1971, S. 196-214.Zum besseren Verständnis der historisch- geografischen Gemengelage wie auch derpolitischen Rahmenbedingungen der jüngeren jüdischen Kulturgeschichte in dieserRegion: Jenes Gebiet, welches das heutige Burgenland umfasst, war bis zum Un-tergang der Monarchie ein- zumindest teilweise mehrheitlich deutschsprachigerTeil des Königreiches Ungarn. Gemäß dem Friedensvertrag von Trianon( 1920)sollte dieses Gebiet komplett an Österreich angegliedert werden, wobei Sopron( Ödenburg) als Hauptstadt des neu zu gründenden Bundeslandes» Burgenland<< vor-gesehen war. Der Vollzug dieser Vertragsbestimmung in Gestalt des Einzugs derösterreichischen Gendarmerie wurde jedoch durch den bewaffneten Widerstandungarischer Freischärler verhindert. Auf Vermittlung Italiens wurde in Teilen desGebietes 1921 eine Volksabstimmung abgehalten, welche zu Gunsten des Verbleibsbei Ungarn ausging. Der Großteil von Deutsch- Westungarn indessen gelangte 1921an die Republik Österreich und bildet seither- mit Eisenstadt als Landeshaupt-stadt-das Bundesland Burgenland. Vgl. u.a.: Ignác Romsics: Der Friedensvertragvon Trianon. Herne 2005; Christine Gruber: Von Deutschwestungarn zum Burgen-land. Die Entstehungsgeschichte eines österreichischen Bundeslandes. In: ElisabethDeinhofer, Traude Horvath( Hg.): Grenzfall Burgenland 1921–1991. Veliki Boristof,Großwarasdorf 1991, S. 11-41.
Richard Berczeller: Im Ghetto. In: Ders., Norbert Leser: Mit Österreich verbun-den. Burgenländerschicksal 1918-1945. Wien, München 1975, S. 308–309.