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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 3+ 4
gender Geldleiher und Chawer
der Titel bezeichnet einen Gelehrten,
der aber( noch) nicht als Rabbiner ordiniert ist-- war 1428 seinem VaterMenlein oder Menly von Mellingen, der bereits seit 1423 in der StadtUlm aufgenommen worden war, nach Ulm gefolgt.47 Aufgrund seinerrabbinischen Kenntnisse nahm Simlin in der Gemeinde eine Führungs-position ein; ob er auch Gemeinderabbiner war, wie Hermann Dickerbehauptet, lässt sich nicht nachweisen. 48 Seine bedeutende Stellung alsMitglied des Rabbinatsgerichts und der Kommission zur Aufnahmevon Gemeindemitgliedern und Steuerfestsetzung 49 geriet ins Wanken,als 1430 der um einiges vermögendere Gelehrte Seligmann( mit hebrä-ischem Namen Isaak ben Abraham; in Italien wurde er Bonaventuragenannt) von Coburg nach Ulm übersiedelte. Seligmann erwarb 1435um die stolze Summe von 300 Gulden eines der prächtigsten Häuser imJudenviertel, mietete ein weiteres für seine Jeschiwa und betrieb weitver-zweigte und hochkarätige Geldgeschäfte, einige auch mit seiner selbstüberaus vermögenden Frau Jentlin von Konstanz.50 Simlin behindertedie Integration Seligmanns in die Gemeinde, wo immer es ihm möglichwar; beispielsweise versuchte er die Anmietung des zweiten Hauses zu
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Zu ihm kurz Arye Maimon, Mordechai Breuer, Yacov Guggenheim( Hg.): Germa-nia Judaica III: 1350-1519, Teil 2. Tübingen 2003, S. 1507, Nr. 26 und HermannDicker: Die Geschichte der Juden in Ulm, ein Beitrag zur Wirtschaftsgeschichtedes Mittelalters. Diss. Zürich, Rottweil 1937, S. 63–66. Für die Übersendung vonKopien aus der Arbeit danke ich Christian Scholl, der am Arye- Maimon Institutfür Geschichte der Juden an der Universität Trier über die Geschichte der Judenin Ulm im Spätmittelalter dissertiert( http://www.uni-trier.de/fileadmin/fb3/fb3/forschung/ ami/ Juden_Ulm.pdf, Zugriff: 18.10.2010).Dicker, ebd., S. 63.
Ferdinand Strassburger: Zur Geschichte der Juden von Ulm nach Resp. 147 desJacob Weil( 1439/1446) zusammengestellt auf Grund einer Vorarbeit des sel. Jes.Strassburger in Ulm von s. Bruder und Nachfolger Ferdinand Strassburger. In: Fest-schrift zum 70. Geburtstage des Oberkirchenrats Dr. Kroner, Stuttgart. Hg. vomWüttemberg. Rabbiner- Verein, Breslau 1917, S. 224-236, hier S. 229. Auch diesenArtikel verdanke ich Christian Scholl. Siehe auch die Rechtsgutachten von JakobWeil( wie Anm. 6), Nr. 22, 97, 106, 107, 118, die kritische Bemerkungen zu Simlinenthalten.
Germania Judaica( wie Anm. 47), S. 1506 f., Nr. 25. Zu Seligmann siehe auch Strass-burger, ebd., S. 225-229. Zu Jentlin( Jentli, Gentil, Gentlein) siehe Martha Keil:Mobilität und Sittsamkeit: Jüdische Frauen im Wirtschaftsleben des spätmittelal-terlichen Aschkenas. In: Michael Toch( Hg.): Wirtschaftsgeschichte der mittelal-terlichen Juden. Fragen und Einschätzungen(= Schriften des Historischen KollegsMünchen, Kolloquien 71). München 2008, S. 153-180, hier S. 161.