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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 3+ 4
Marcus' Untersuchung» Rituals of Childhood«< Eingang, der mit ihrerMethode schriftliche und bildliche Quellen zum ersten Unterricht desjüdischen Knaben analysierte.12
Während die Rituale des Lebenszyklus, insbesondere Geburt undBeschneidung sowie Tod und Begräbnis sowohl Forschungsthemen derjüdischen Volkskunde vor der Schoa als auch der modernen Jewish Cultu-ral Studies waren und sind, sind die Buß- und Versöhnungsrituale meinesWissens noch kaum untersucht. Hier wäre ein Vergleich mit christlichenRitualen dieser Art lohnend, der hier nur in oberflächlichen Ansätzenerfolgen kann. Gemeinsam ist allen Rechtsritualen, dass ihr rechtlicherInhalt und ihre äußere Form als» untrennbare Einheit«< verstanden wer-den. 13 Grundlegend ist aber folgender Unterschied festzustellen: Die ka-tholische Kirche in ihrer hierarchischen und universalistischen Ausrich-tung hatte das Bedürfnis nach Regulation und legte Bußbücher an, diefür die jeweiligen Vergehen die Bußübungen, Strafen und öffentlichenRituale festschrieben. 14 Im jüdischen Rechtsbereich hingegen hinterließdas Buẞwesen keine eigene Quellengattung; die Bußrituale sind Teilevon rabbinischen Rechtsgutachten und Urteilen. Die Sammlung undEdition dieser Responsen( hebr. Tschuwot, Antworten) erfolgten nachdem Verfassernamen, ihre Zahl geht für das 10. bis 15. Jahrhundert in dieTausende. Anleitungen zu Bußritualen sind daher nur schwer auffindbarund somit auch bisher nicht systematisch erfasst.
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Ivan G. Marcus: Rituals of childhood. Jewish acculturation in medieval society. NewHaven/ Conn. 1996. Kurz dazu Martha Keil: Gemeinde und Kultur- Die mittelalterlichen Grundlagen jüdischen Lebens in Österreich. In: Eveline Brugger, MarthaKeil, Christoph Lind u.a.: Geschichte der Juden in Österreich(= ÖsterreichischeGeschichte, Erg.bd.). Wien 2006, S. 15-122, Anm. S. 573-585, hier S. 96 f. mit Illu-minierungen der Ritualteile aus dem Machsor Lipsiae und weiterführender Litera-
tur.
Hans- Jürgen Becker: Artikel» Rechtsritual«<. In: Adalbert Erler, Ekkehard Kauf-mann( Hg.): Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, Bd. IV. Berlin 1990,Sp. 337-339, hier Sp. 338.
Emil Göller: Die päpstliche Pönitentiarie von ihrem Ursprung bis zu ihrer Umge-staltung unter Pius V., Band I: Die päpstliche Pönitentiarie bis Eugen IV., 2 Teilb-de., Bd. II: Die päpstliche Pönitentiarie von Eugen IV. bis Pius V., 2 Teilbde. Rom1907-1911. Siehe Enno Bünz: Rezension von Sara Risberg, Kirsi Salonen( Hg.):Auctoritate Papae. The Church Province of Uppsala and the Apostolic Penitentiary1410-1526(= Diplomatarium Suecanum Appendix. Acta Pontificum Suecica 2. ActaPoenitentiariae). Stockholm 2008, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensi-onen/ 2010-3-049( Zugriff: 20.10.2010).