444 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 3+ 4
situiert in seinen fachhistorischen Beiträgen alle drei Genannten in ihrenjeweilig unterschiedlichen gesellschaftlich- politischen und weltanschau-lichen Kontexten, sodass ich hier im Weiteren nur auf diese Texte ver-weise.
Ein gänzlich anders gelagerter Fall als alle bisher Genannten ist derim Fach Volkskunde mit klingendem Namen bekannte Konrad Mautner( 1880-1924). In der Fachgeschichtsschreibung wird er hauptsächlich mitder steiermärkischen Volkskunde und insbesondere jener des steirischenSalzkammergutes verbunden. Als die in Wien ansässige bedeutendsteTextilfabrikantenfamilie der Monarchie, steht die Familie Mautner je-doch auch mit dem Wiener Volkskundemuseum in, wie wir sehen wer-den, wechselvoller Verbindung.
Konrad Mautner erscheint erstmals im Jahr 1909 im Inventar desVolkskundemuseums mit der Schenkung einer Lodenjoppe aus der Stei-ermark. Im nächsten Jahr folgen ein slowakisches Männer- und Frau-enkostüm und bis 1923, ein Jahr vor seinem Tod, bringt er insgesamt 63Objekte ein, die zum klassischen Sammelgut eines Volkskundemuseumsgehören( Schützenscheiben, Votivfiguren, Andachtsbildchen, Kienleuch-ter, etc.). 23 Das meiste wird als Geschenk verzeichnet, doch hin und wie-der wird auch getauscht( Hauben und Hüte), denn Mautner sammeltauch für eine eigene» Trachtenkammer«<. 24
Zwischen 1907 und 1921 erscheinen kleinere Beiträge bis vierzigseiti-ge Berichte von Konrad Mautner in der Österreichischen Zeitschrift fürVolkskunde. Er behandelt Themen wie die» Unterhaltungen der GößlerHolzknechte«( 1909),» die Ausseer Tracht«<( 1910) oder er berichtet über>> alte und neue[ Schieß] Scheiben am Grundlsee, bäuerliche Gelegenheits-dichtungen und Malereien der Ausseer Gegend«( 1911).
Das alles sind Beobachtungen aus seiner allernächsten Umgebungaus dem Ausseerland, wo er und seine drei Geschwister, entgegen jeg-lichen Gepflogenheiten großbürgerlicher Familien, während der Som-mermonate gemeinsam mit den rundum wohnenden Dorfkindern auf-
23 Auch sein Bruder Stephan Mautner tritt zwischen 1911 und 1930 als Einbringer vonSammelgegenständen in Erscheinung.
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Gerlinde Haid:»... mit Grazie und nicht ohne Humor«. Konrad Mautner als Volks-liedforscher und Volkskundler. In: Nora Schönfellinger( Hg.):» Conrad Mautner,großes Talent«<. Ein Wiener Volkskundler aus dem Ausseer Land(= GrundlseerSchriften, 3). Grundlsee 1999, S. 87.