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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 3+ 4
ebenso wenig wie heute beliebtes, jedoch in der öffentlichen Wertschät-zung noch wesentlich höher veranschlagtes Ehrenamt, das honorige Her-ren auszuüben pflegten. In diesem Amt folgte ihr übrigens der um zweiJahre jüngere Baron Robert von Heine- Geldern nach, der die Funktiondann bis 1935 innehatte 15. Heine- Geldern war zu dieser Zeit Mitarbeiteram Naturhistorischen Museum Wien, wurde 1931 zum Professor an derUniversität Wien ernannt und arbeitete in den 40er Jahren, nachdem erals Jude zur Emigration gezwungen war, u.a. in New York mit der An-thropologin und Ethnologin Margaret Mead zusammen, bevor er 1950wieder nach Wien kam. Bis 1935 war er jedenfalls nachweislich dem Ver-ein für Volkskunde verbunden.
Hätte man nach Eugenie Goldstern wieder eine Person jüdischerHerkunft in ein Vereinsamt geholt, wäre die Tatsache einer jüdischenAbstammung Mitte der 1920er Jahre für Michael und seinen inzwischenihm in der Direktion nachgefolgten Sohn Arthur Haberlandt bereits sobedeutsam gewesen? Diese möglicherweise Marginalie soll nicht davonablenken, dass sich antisemitische und deutschnationale Töne im Muse-um bereits vor der NS- Zeit breitgemacht hatten, aber immerhin die Be-hauptung relativieren, die immer wieder aufgestellt wird, dass EugenieGoldstern aufgrund ihrer jüdischen Herkunft, die sie übrigens nie betonthatte, im Museum beruflich nicht reüssiert hat. 16 Ob sie eine derartigebeamtete Stellung überhaupt angestrebt hat, wissen wir nicht. Belegt isthingegen ihr immer wieder auftretendes Leiden an Depressionen, dassie schwer bedrückt und in der Arbeit behindert hat." 7 Auch ihre Stel-
15 In den Mitteilungen aus dem Verein und dem k.k. Museum für österreichischeVolkskunde wird bereits 1913 die geschenkweise Überlassung von Abbildungen
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durch Robert v. Heine- Geldern erwähnt.
Albert Ottenbacher: Eugenie Goldstern. Eine Biographie. Wien 1999. GerhardMilchram: Konrad Mautner und Eugenie Goldstern: Identitätsstiftung in den Alpenoder universale Ethnologie? In: Hanno Loewy und Gerhard Milchram( Hg): Hastdu meine Alpen gesehen? Eine jüdische Beziehungsgeschichte. Jüdisches MuseumHohenems und Jüdisches Museum Wien, 2009, S. 167-168.
Z. B. in einem Schreiben ihres Bruders, des ärztlichen Leiters einer Kuranstalt undzugleich Sanatoriums im 9. Bezirk in Wien, Dr. Samuel Goldstern an Michael Ha-berlandt von 1918, in dem er von der langsamen Besserung und wiederholten Rück-fällen ihrer>> seelischen Depression<< und ihrem Aufenthalt in der Heilanstalt Dr.Binswanger in Kreuzlingen in der Schweiz berichtet. Darin hofft er, dass>> sie ihrefrühere Lebensfreude und Arbeitslust sowie Arbeitsfähigkeit wiederum gewinnenwird.<<