438 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 3+ 4
In wissenschaftlicher Hinsicht wusste der Museumsgründer undstudierte Indologe Michael Haberlandt, einen engagierten Schülerkreisum sich zu scharen. Darunter befanden sich auch zwei Persönlichkeitenaus jüdischen Familien, die sich in die Geschichte und die Sammlungendes Museums nachhaltig eingeschrieben haben. Beide hatten einschlä-gige Studien absolviert, und dazu kam aufgrund des großbürgerlichen,finanziell abgesicherten Hintergrunds und der damit verbundenen Welt-läufigkeit die Möglichkeit, ihre Sammeltätigkeit und Forschungen inter-national auszurichten und über die damaligen Grenzen der Monarchieweit hinauszugehen.
In der Folge stelle ich sieben Forscher- und Sammlerpersönlichkei-ten vor. Über einige wurde schon aus verschiedenen Blickwinkeln gear-beitet, andere sind weniger oder, zumindest in unserem Fach, gar nichtbekannt.
Im Jahre 1908 taucht erstmals der Name Rudolf Trebitsch( 1876-1918) in den Inventaren auf. Er war Sohn eines Wiener Seidenfabrikan-ten, der dem Geschäft des Vaters weniger abgewinnen konnte als denWissenschaften. Zunächst absolvierte er ein Medizinstudium, dem je-doch keine entsprechende Berufslaufbahn folgte, sondern weitere Stu-dien der Anthropologie und Ethnologie. Reisen führten ihn nach Grön-land, Irland, Wales, Schottland, in die Bretagne und das Baskenland. Diemitgebrachten Ethnographica überließ er dem Völkerkundemuseumund dem Österreichischen Museum für Volkskunde. In das WienerPhonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gelangten Tonaufnahmen, die er im Zuge sprachwissenschaftlicherUntersuchungen auf seinen Reisen aufzeichnete und die, zusammen mitden gesammelten Objekten, heute ausgesprochene Raritäten darstellen.
Das Österreichische Museum für Volkskunde bewahrt TrebitschsSammlungen aus der Bretagne( ca. 300 Objekte von 1911) und aus demspanischen Baskenland( über 400 Objekte, gewidmet 1914), sowie klei-nere Kollektionen aus Irland, der römischen Campagna, und Einzelob-jekte aus Rumänien und Ungarn auf. Die begleitenden Dokumentatio-nen sind spärlich und mehr( reise) beschreibender als wissenschaftlicherNatur.
Von 1910 bis 1916 wird Rudolf Trebitsch auch in der Spenderlisteim Jahresbericht des Vereins und Museums geführt, und zwar mit nam-haften Beträgen zwischen 2.000 und 5.400 Kronen jährlich, die im Jahr1912 von der stolzen Summe von 15.000 Kronen plus Objekten im Wertvon weiteren 5.000 Kronen überragt werden. Er wusste dem Museum