Aufsatz in einer Zeitschrift 
»Alter Jude, Ton, glasiert« : Spuren des Jüdischen im Österreichischen Museum für Volkskunde
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436 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXIV/ 113, 2010, Heft 3+ 4

der Gründung des Österreichischen Museums für Volkskunde, sonderndas Bestreben der Museumsgründer Michael Haberlandt und WilhelmHein, ein Museum für» die sicht- und greifbaren Dinge des Volksle-bens<< ¹ zu schaffen. Man hatte zunächst ein Museum, in dem die Völkerder österreichisch- ungarischen Monarchie versammelt sein sollten vorAugen, erweiterte diesen Ansatz aber bereits nach wenigen Jahren umdas Konzept einer vergleichenden europäischen Völkerkunde.

Um dieses Ziel zu erreichen, war intensive Netzwerkarbeit nötig,die Michael Haberlandt meisterlich beherrschte und in unermüdlicherAnstrengung betrieb. Der durch ihn gegründete Verein für Volkskundezählte nach dem ersten Jahr des Bestehens Ende 1895 bereits über 900Mitglieder und aus diesen rekrutierten sich zum Großteil die Sammlerund Beiträger für das Museum, die teilweise, je nach Möglichkeit undBereitschaft, auch materielle Unterstützung in Form von Widmungenvon Objekten oder Barbeträgen für Ankäufe boten.

Bei den Unterstützern und Freunden des Vereins handelte es sich umeinen heterogenen Interessentenkreis, der sich weder sozial noch welt-anschaulich eindeutig zuordnen lässt. Herbert Nikitsch hat sich in seinerGeschichte des Vereins für Volkskunde mit diesem gesellschaftlichenUmfeld intensiv auseinandergesetzt.² Ich skizziere daher hier nur in we-nigen Sätzen das breite Spektrum. Unter den Vereinsmitgliedern findensich Industrielle, Politiker, Kunstmäzene, Bankiers, Adelskreise, Klerus,Großbürgertum, mittlere Beamtenschaft, Wissenschaftler, Lehrer undStudierende in der gesamten damaligen ideologischen Spannbreite derBevölkerung von liberal bis national. In religiös- weltanschaulicher Hin-sicht war man mehrheitlich katholisch und dabei meist christlich- sozialorientiert, gehörte aber auch dem protestantischen Glauben an, wie etwadie Familie Haberlandt selbst, und in nicht geringem Ausmaß interes-sierten sich auch Protagonisten jeweils mehr oder weniger prononciertgelebter jüdischer Herkunft für die Ziele dieses neuen Museums.

Das erste Mitgliederverzeichnis des Vereins für Volkskunde, derdem Museum bis heute als Rechtsträger dient, verzeichnet 1896 eine be-trächtliche Zahl an Namen, inklusive Adressen und Berufsbezeichnun-

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Michael Haberlandt: Vorerinnerung. In: Zeitschrift für österreichische Volkskunde2, 1896, S. 1.

Herbert Nikitsch: Auf der Bühne früher Wissenschaft. Aus der Geschichte des Ver-eins für Volkskunde( 1894-1945). Wien 2006, S. 56-63.