Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde113 (2010) / N.S. 64Schlör, Joachim: Jewish Cultural Studies – eine neue Heimat für die jüdische Volkskunde?

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
Jewish Cultural Studies – eine neue Heimat für die jüdische Volkskunde?
Einzelbild herunterladen
 

Joachim Schlör, Jewish Cultural Studies- eine neue Heimat für die jüdische Volkskunde?

=

onsvortrages über die» Dinge der Emigration«<, Gegenstände und Lis-ten von Gegenständen, die deutsch- jüdische Emigranten auf ihrem Wegnach Palästina mitgenommen- oder auch zurückgelassen- haben, imzweiten Band dann eine sehr persönliche gehaltene Stellungnahme zum>> Hype of all things Jewish«< im neuen Europa und vor allem im neuenBerlin.³ Wenn man sich die Namen der weiteren Mitglieder des editorialboard ansieht, fällt einem auf, wie weit gefasst der Begriff von CulturalStudies hier verwendet wird und wie wenig klassische» Volkskunde<<da betrieben wird. Andererseits hat aber doch fast jede und jeder derBeteiligten»> irgendwie auch«< mit jüdischer Volkskunde zu tun, am di-rektesten bestimmt Haya Bar- Itzhak von der Universität Haifa in Israel,eine Spezialistin für jüdische Volkserzählungen in Polen und Israel, undDan Ben- Amos, der an der University of Pennsylvania» Folklore Theoryand History<< unterrichtet. Das gilt auch für die leitenden Mitarbeiterin-nen und Mitarbeiter jüdischer Museen, wie Felicitas Heimann- Jelinek( Wien), Laurence Sigal( Paris) und Edward van Voolen( Amsterdam).Eine weitere Gruppe arbeitet im weiten Umfeld von Geschlechterge-schichte und Körperlichkeit, Matti Bunzl etwa von der University ofIllinois oder Sander Gilman von der Emory University( der freilich auchnoch so viele andere Dinge macht und in gar kein wissenschaftlichesKorsett passt). Mit dem Thema» Performanz«< und Repräsentation hatsich Barbara Kirshenblatt- Gimblett von der New York University aus-führlich( und neben vielen anderen Themen) auseinandergesetzt, undviele der Beteiligten sind auf die eine oder andere Weise daran beteiligt,den neuen Jewish Space in Europa auszumessen, etwa die freie AutorinRuth Ellen Gruber oder Jonathan Webber von der University of Bir-mingham. Letzterer ist zugleich als Inhaber eines Lehrstuhls für Inter-faith Dialogue mit der Religionswissenschaft befasst, ebenso wie KarlErich Grözinger, der vor seiner Emeritierung am Studiengang JüdischeStudien an der Universität Potsdam beschäftigt war. Mikhail Chlenovvon der State Jewish Maimonides Academy in Moskau hat zum Thema

2

3

Joachim Schlör:> Take down Mezuzahs, Remove Name- Plates<: The Emigration ofMaterial Objects from Germany to Palestine. In: Jewish Cultural Studies 1: Jewish-ness: Expression, Identity, and Representation. Hg. v. Simon J. Bronner. Oxford2008, S. 133-150.

Joachim Schlör: The Co- Construction of Europe as a Jewish Home. In: Jewish Cul-tural Studies 2: Jews at Home. The Domestication of Identity. Hg. v. Simon J. Bron-ner. Oxford 2010, S. 301-306.

417