Christoph Daxelmüller, Hamburg, Wien, Jerusalem
Die Kritik an einer eigenständigen jüdischen Volkskunde zog sichüber mehrere Jahre hin, wie ein undatierter, am 18. Januar 1904 in Wienabgestempelter Brief Alfred Landaus an Grunwald bestätigt: 31
>> Die Daseinsberechtigung der Gesellsch. F. j. V.[ Gesellschaft fürjüdische Volkskunde] wird allerdings dadurch nicht in Frage gestellt,gibt es doch Vereine für sächs. hess. bayr. und österr. Volkskunde[ Interpunktion sic!], ohne dass damit auch ein besonderes sächs... ös-terr. Volkstum postulirt würde. Gerade zur Beantwortung der Fra-ge, ob ein selbständiges Volkstum vorhanden oder nicht, muss erstdas Material gesam[ m] elt werden, nicht dass man wie K.[ FriedrichSalomo Krauss] a priori darüber abspricht, nur zur Herbeischaffungdieses Materials ist eben die Gesellschaft nothwendig. K. selbst hatübrigens, wen[ n] ich nicht irre, in den J.[ Jahrgang] 1897/98 seinenUrquell fleissig in der Öst. Wochenschr.[ Österreichischen Wochen-schrift] annoncirt, es wäre wichtig nachzusehen, ob er nicht in die-sen An[ n] oncen die besondere Pflege des Jüdischen im U.[ Urquell]herausgestrichen hat.<< ³2
Von der Volkskunde zur» Kulturgeschichte der Juden<<.Universale Ansprüche und deutsche Kultur
Am 22. August 1949 schrieb Irving Kristol, New York, postlagernd anMax Grunwald in Jerusalem. Er bedankte sich für den Erhalt des Manu-skripts über»> Jüdische Kultur« und bedauerte wegen der Sommerferienund des dadurch personell ausgedünnten editorial boards die verspäteteAntwort. Dann kam er zur Sache:
» Ich bedaure sehr, dass wir nicht in der Lage sind, Ihr Manuskriptin der gegenwärtigen Form zu lesen. Wir können durchaus deut-sche oder auch handschriftliche englische Manuskripte lesen, aberein handgeschriebenes deutsches Manuskript, in deutscher Schrift,
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JNUL Jerusalem, Nachlass Dr. Max Grunwald, 4º 1182/ 2−4.
32 Herausgeber der Österreichischen Wochenschrift war Joseph Samuel Bloch, derSchwiegervater Grunwalds.
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