Aufsatz in einer Zeitschrift 
Hamburg, Wien, Jerusalem : Max Grunwald und die Entwicklung der jüdischen Volkskunde zur Kulturwissenschaft 1898 bis 1938
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Christoph Daxelmüller, Hamburg, Wien, Jerusalem

bzw. zu Zion bekennt. Hinter diesem Bekenntnis treten unterschiedli-che religiöse Ausformungen, Bräuche oder soziale Strukturen zurück.

Dass Grunwald dieses gewaltige Programm weder während derLaufzeit der von ihm herausgegebenen Zeitschrift noch bis zu seinemTod 1953 bewältigen konnte, stellt keine Kritik an seinem Lebenswerkdar. Die jüdische Volkskunde kreiste in der Regel um die europäischenGruppen, um die Aschkenasim Deutschlands und Mittelosteuropas so-wie um die Sefardim, mit denen sich vor allem Grunwald selbst ausein-andersetzte, zuerst in Hamburg( Altona), 26 dann in der>> Bouillabaise<<Wien und schließlich auf Reisen nach Spanien und Griechenland, woer erhebliches Aufsehen erregte.

Doch eben durch diesen Blick unterschied er sich von seinen Zeitge-nossen und vor allem von seinen Kritikern. Zu den schärfsten zählte derAltphilologe, Slawist und Balkanethnologe Friedrich Salomon Krauss( 1859-1938), der nicht nur den Hamburgern gerne von ihrem» Stuss<<abgeraten hätte, sondern dies auch durchaus überzeugend zu begründenwusste: Für ihn bedeutete Ethnologie nicht eine Wissenschaft von na-tionalen, territorialen und religiösen Ein- und Ausgrenzungen, sondernvom Menschen. Damit war er seiner Zeit- und auch späterenweiter voraus als Max Grunwald.2

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Krauss' heftige Kritik ergab sich nicht zuletzt aus finanziellen Er-wägungen: Im Gegensatz zu Grunwald musste er von seinen Veröffent-lichungen leben. Dies macht verständlich, dass er in den Hamburger>> Mitteilungen<< nicht nur eine geistige, sondern auch eine wirtschaft-

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Max Grunwald: Portugiesengräber auf deutscher Erde. Beiträge zur Kultur- undKunstgeschichte. Hamburg 1902.

Max Grunwald: Tales, Songs and Folkways of Sephardic Jews. Texts and Studies.Edited by Dov Noy( Folklore Research Center Studies VI). Jerusalem 1982.

Zu Krauss siehe Raymond L. Burt: Friedrich Salomo Krauss( 1859-1938). Selbst-zeugnisse und Materialien zur Biobibliographie des Volkskundlers, Literaten undSexualforschers mit einem Nachlaßverzeichnis. Mit einem Beitrag von MichaelMartischnig: Zum 50. Todestag von Friedrich Salomo Krauss( Salomon FriedrichKrauss). Eine Nachlese. Wien 1990; Christoph Daxelmüller: Friedrich SalomoKrauss( Salomon Friedrich Krauss)( 1859–1938). In: Jacobeit u.a.( wie Anm. 19), S.463-476.; Michael Martischnig: Erotik und Sexualität der unteren Volksschichten.Zum 50. Todestag von Friedrich Salomo Krauss( Salomon Friedrich Kraus)( 1859-1938). In: Sabine Drexel, Klaus Heinzle, Angela Koch( Hg.): InterAKTion 2. DasNackte Der Hintergrund. Das Wiener Sommer Symposion mit der Hochschulefür angewandte Kunst in Wien, 29. 8.- 1.10.1988. Wien o.J., S. 23-83.

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