Vorwort: Ist das jüdisch?
Die Jüdische Volkskundein historischer Perspektive
Birgit Johler und Barbara Staudinger
» Ist das jüdisch?«<- diese Frage formulierte bewusst etwas provokant dieBeweggründe für eine Tagung, die die historische Forschungsrichtungder Jüdischen Volkskunde neu ins Blickfeld nehmen, aktuelle Forschun-gen und Fragestellungen beleuchten, aber auch Positionen und Per-spektiven für die Zukunft diskutieren wollte. Gerade in der Zusammen-führung von Vergangenem und Gegenwärtigem lag für uns die Chance,Impulse für zukünftige Forschungen zu gewinnen- auch im Sinne einesNachholbedarfs. Die Beschäftigung mit jüdischer Kultur in der deutsch-sprachigen volkskundlichen Wissenschaft ist nach wie vor auf wenigeInstitutionen oder Personen beschränkt. Institutionell ist hier insbeson-dere das Tübinger Ludwig- Uhland- Institut für Empirische Kulturwis-senschaft mit einer kontinuierlichen Betrachtung und Analyse jüdischerKultur in Deutschland im Rahmen des als» Jüdische Studien« gekenn-zeichneten Forschungs- und Lehrschwerpunktes hervorzuheben. Dafürsollen Utz Jeggle und- gerade für eine Beschäftigung mit der histo-rischen Jüdischen Volkskunde- Christoph Daxelmüller stellvertretendfür alle weiteren Personen genannt werden. Jenseits volkskundlich-kulturwissenschaftlicher universitärer Einrichtungen haben sich in denletzten Jahren jedoch Zentren und Institute herausgebildet, die interdis-ziplinär ausgerichtet forschungsleitende Lehre zu jüdischer Geschichteund Kultur sowie zu jüdischer- nichtjüdischer Beziehungsgeschichte an-
1 Siehe hierzu die im Auftrag der Tübinger Vereinigung für Volkskunde e. V. heraus-gegebene Publikation: Jüdische Studien am Ludwig- Uhland- Institut für EmpirischeKulturwissenschaft(= Tübinger Korrespondenzblatt, 54). Tübingen 2002.