Jahrgang 
113 (2010) / N.S. 64
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXIV/ 113, 2010, Heft 2

ders deutlich, dass sich Geschlechtsidentitäten- welcher Richtung auchimmer>> nicht verdrängen lassen«.( S. 195) Zugleich zeigt sich ein Wi-derspruch gegenüber den ethnomethodologischen und interaktionisti-schen Sichtweisen, wonach» die eigene Geschlechtszugehörigkeit weni-ger ein natürliches Faktum ist, sondern vielmehr als Prozess, als aktivesTun der jeweiligen Akteurinnen bzw. Akteure anzusehen ist«<( S. 189).

Zwei überregional orientierte feministische Artikel zu den Themen>> Lesben, Feminismus und Pornographie« der KulturwissenschaftlerinEva Kuntschner und» Das Politische des lesbischen Begehrens«< der Phi-losophin Birge Krondorfer beenden den( übrigens sehr gefällig gestalte-ten) Sammelband. Diese beiden Beiträge sind auch eine Antwort aufdas Eingangszitat der Herausgeberinnen, wonach» L( i) eben«< mehr seinmöchte, als ein wissenschaftliches Projekt oder» ein allein historischesNachschlagewerk«. Dafür spürt man als Leser aber auch, dass ein ro-ter Faden, der den in viele Einzelprojekte zerfallenden Inhalt zusam-menführt, fehlt. Was alle Beiträge eint, ist aber die Hoffnung auf eineliberalere Haltung der heterosexuellen Dominanzkultur. Dazu könnenähnlich angelegte wissenschaftliche Projekte und Veröffentlichungen si-cherlich beitragen.

Johann Verhovsek

Beate Binder: Streitfall Stadtmitte. Der Berliner Schlossplatz

(= alltag& kultur 13). Köln u.a.: Böhlau 2009, 327 Seiten

Der Begriff des» Aushandelns« scheint inzwischen nicht mehr nur inkulturwissenschaftlichen Arbeiten nahezu inflationäre Verwendung zufinden. Und dies nicht ohne Grund, fokussiert er doch die komplexenProzesse der Herstellung von Bedeutung und betont die Handlungsopti-onen konkreter Akteure. Es liegt wohl in der Natur inflationär geworde-ner Erklärungsmodelle, Begrifflichkeiten oder Konzepte, dass diese mit-unter an Schärfe verlieren und ihre analytische Kraft abnimmt. Nicht soin Beate Binders Berliner Habilitationsschrift, 2006 abgeschlossen und2009 unter dem Titel» Streitfall Stadtmitte. Der Berliner Schlossplatz<<publiziert. Denn die Europäische Ethnologin offeriert darin eine metho-disch wie theoretisch wohl konzeptionierte Analyse der Debatten umden Berliner Schlossplatz, der für Beate Binder einen paradigmatischen