334 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 2
Was ist eine Normalerwerbsbiografie?
Diese Frage stand im Zentrum eines leider nur eintägigen Workshopsam Internationalen Geisteswissenschaftlichen Kolleg( IGK)» Arbeit undLebenslauf in globalgeschichtlicher Perspektive«( 9. April 2010, Berlin).Gegründet im Oktober 2009 und auf fünf Jahre angelegt, bietet dasZentrum jährlich rund zehn GastforscherInnen optimale Voraussetzun-gen für Arbeit über Arbeit, genauer: über die Zusammenhänge zwischenArbeit und Lebenslauf. Eingeladen wurden Postdocs und Senior Resear-chers aus den Geschichtswissenschaften, der Ethnologie, Soziologie, Po-litik- und Rechtswissenschaft sowie aus dem Bereich der Area Studies.Das vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung ge-gründete und finanzierte Zentrum in Berlin Mitte kooperiert mit derHumboldt Universität und mit dem Wissenschaftskolleg»> Circulationof Knowledge. Transregional Studies«< ebendort. Geleitet wird es vomHistoriker und Afrika- Experten Andreas Eckert, der SozialhistorikerJürgen Kocka steht beratend zur Seite. Im Mittelpunkt steht also Grund-lagenforschung zum Thema Arbeit und Lebenslauf, zentral ist eine ver-gleichende Perspektive historisch und kulturell/ geografisch. Dabeigeht es auch um die Wechselbeziehungen von Arbeit und Karriere, umdie jeweils kursierenden Images und Ideologeme sowie um die Struktu-ren von Erwerbsleben. Stets betont wird die beobachtbare Vielfalt imHistorischen wie im Zeitgenössischen. Die Forschungsergebnisse sollenMöglichkeiten zur Lösung von Gegenwartsproblemen eröffnen. Ist dasder Anspruch an Grundlagenforschung von heute?
Derzeit befinden sich mit Isaie Dougan, Patrick Harries und RanaBehal, die den Workshop als Diskutanten bereicherten, unter anderenGäste aus Mali, Südafrika und Indien am IGK. Auch der auf China spezi-alisierte Sozialhistoriker Jacob Eyferth( Chicago) und die österreichischeSoziologin/ Wirtschafts- und Sozialhistorikerin Therese Garstenauer( Wien), die die Veranstaltung konzipierten, forschen aktuell im Rahmendieses Kollegs zu chinesischen Landfrauen im 20. Jahrhundert bzw. zuösterreichischen und sowjetischen Beamten in der Zwischenkriegszeit.
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Jacob Eyferth skizzierte einleitend die bisherigen Diskussionen imTeam rund um die Frage, was denn ein Standardlebenslauf, eine Norma-lerwerbsbiografie wann und wo bedeute, und damit den Ausgangspunktdieses ersten Workshops: Der während der letzten zweihundert Jahrefestgeschriebene enge Zusammenhang von Lebenslauf und Erwerbsar-