224 Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 2
Alltagsdinge heute: Nichts mehr für die Regionalsammlung?
Was aber so betrachtet- alles aus dem aufs Regionale blickenden Sam-melhorizont heraus fällt, weil dem Kriterium regionaler Ausgeformtheitnicht genügend: Toaster, Mixer, Espressomaschinen; Business Dressesund Jogginghosen, Baseballkappen und Lingerie, Bohrmaschinen, Kaf-feekannen, Schneekugeln; Laptops, Gameboys, Ipods, MP3- Player;Möbel mit Namen wie Ingolf, Bosse und Malte. Und das war schon somit dem Staubsauger Vampyr von 1910, dem C& A- Anorak von 1955,der Neckermann- Eckbank von 1974 und der Schlagbohrmaschine vonSteyr von 1985. Und woher stammen die alltagsmächtigen Dinge heute?Da werden Hemden in Rumänien aus in China gewebten Stoffen fürdie Barcelona- Fashion geschneidert, um in Düsseldorf, Berlin und Wienoder in Pinneberg, Ruhpolding und Leoben vertrieben zu werden. Heu-te kann ich mir via on- line- Börse oder TV- Shop neue und gebrauchteMöbel balinesischer Provenienz genauso leicht beschaffen, wie Kinder-dreiräder von Kettler oder Spielzeug aus Russland. Fast alles ist globalverfügbar und überall anzutreffen! Was ist da also noch regional? In derWarenwelt findet sich alles, fast überall von fast überall her!
Und dabei sind es doch eben diese Sachen, die auf der Ebenesammelfähiger Dingwelten den Alltag der Menschen prägten und prä-gen und diese Prägung, seine Kultur und Lebensweise also auch wider-spiegeln sollten! Doch wird in ihnen das Regionale des Menschen oderder Mensch in seiner Regionalität fassbar?
Hinter den Dingen: Der Mensch zwischen den Dingen
Wenden wir uns des Regionalmuseums tatsächlichen und potentiellenBesuchern zu, unseren Kunden und ihren Interessen. Was interessiertdenn die Museumsbesucher, jene mit immerhin 45% der Bevölkerungnicht ganz kleine Gruppe unserer Zeitgenossen, die gelegentlich in unse-re Häuser finden. Sie interessiert die Artefakte aus zeitlich oder topogra-fisch entfernten Welten: des Pharaos Mumiensarg aus Ägypten, Jacke,Tasche, Speer des Steinzeitkriegers aus dem Eis des Similaungletschers,der Schädel von Klaus Störtebeker und der Federschmuck des namenlo-sen Sioux, der ein Onkel von Yakari gewesen sein könnte. Sie interessiertaber auch viel näher Liegendes wie z. B. die farbig- filigranen Schöpfungeneines Glasbläsers aus dem thüringischen Lauscha oder die geschnitzten