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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 2
Sammelkonzeptionen: Ja, aber...
Sammeln braucht Begründung. An dieser Stelle möchte ich aber auf eineausführliche Darstellung zu Geschichte und Konstruktion von Sammel-konzepten ebenso verzichten wie schon auf eine ausführliche Diskussi-on von Regionalität. Ich begnüge mich mit einer ketzerischen Vor- undSchlussbemerkung: Ich halte Sammelkonzeptionen zwar für unverzicht-bar, traue aber jenen nicht, die vor allem die Handschrift der Erstellerund nicht der Anwender und Umsetzer tragen, vor allem nicht jenen,die als Jahrhundertprojekte daherkommen und ultimative Lösungen ver-sprechen. Sie verfehlen nämlich in der Regel das nötigerweise Prozess-hafte kulturellen, hier also musealen Tuns in einer Welt von ökonomi-scher, politischer und sozialer Dynamik und stehen also in der Gefahr,dieses Tun der Schwerfälligkeit, gar der Erstarrung entgegenzuführen.Beeindruckt hat mich in dieser Hinsicht die Entwicklung der» CollectionDevelopment Strategy«< des Canada Science and Technology Museums.Dieses Projekt startete im Jahr 1989 mit der Ermittlung der» HistoricalAssessments<< zu den bestehenden Sammlungen, denen nach 10 Jahren1999 die Erstellung der» Collection Assessments«< folgte – mit der Ziel-vorgabe einer Fertigstellung der Sammlungs- Entwicklungs- Strategie imJahr 2015(!). Wie viel Nektar sich aus solch absurd umfangreichen wielangwierigen Sammlungsstrategie- Entwicklungen mit akademischenForderungshaltungen ziehen lässt, das mag jeder für sich entscheiden.Vielleicht rührt meine Distanz gegenüber solchen Projekten einfach da-her, dass ich zu sehr um den Sinn und die Freude an gegenwarts- bedeut-samem, kulturellem Tun weißaber auch um die knappen Ressourcen
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mittlerer und kleinerer Museen, die das Prinzip Musealiät für die großeMehrheit der Menschen viel alltagspraktischer verkörpern könn( t) en alsdie großen Häuser der Metropolen.
Viele Sammlungsstrategie- Überlegungen und Sammelkonzeptionengehen in ihrer Anlage vom großen Allgemeinen zum kleinen Besonderenvor. Da wird- wie es nun auch in Museen heißt, seitdem betrieblich-kaufmännisches Denken Einzug gehalten hat-» heruntergebrochen<<vom ganzheitlichen Begriff eines Universums herunter zu den kleinen
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Siehe: Andreas Wenzel: Volkskunde- das ist doch ein abgeschlossenes Sammelge-biet, oder? Volkskundliche Sammlungen und das zeitgenössische materielle Alltags-kulturerbe, in: Harald Siebenmorgen( Hg.): Überlieferungskultur. Karlsruhe 2010,S. 103-121, hier S. 113 f.