Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde113 (2010) / N.S. 64Mindler, Ursula: »...obwohl ich überhaupt keine Zugeständnisse gemacht habe und meine gesamtdeutsche Einstellung den Fachkollegen durchaus bekannt ist...«

  
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»...obwohl ich überhaupt keine Zugeständnisse gemacht habe und meine gesamtdeutsche Einstellung den Fachkollegen durchaus bekannt ist...« : Anmerkungen zu Karl Haiding
(1906-1985)
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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde

LXIV/ 113, 2010, Heft 2

auf seine>> Feldforschungen« im Rahmen des» Kriegseinsatzes der Geis-teswissenschaften«<, die von den als» kriegswichtig« geltenden und mithohen Summen subventionierten Volkskundedachverbänden Rosen-bergs und Himmlers unternommen wurden.54 So war 1940 der Einsatz-stab Reichsleiter Rosenberg( ERR) gegründet worden, welcher- teilweisegetarnt als» Exkursionen« eine systematische Beraubung der von denNationalsozialisten besetzten Gebiete durchführte.55 Von Doris Sauerist folgende Aussage Haidings bezüglich des Einsatzstabes überliefert:» Eines Tages[ 1943] erzählt Haiding einem Besucher lachend, dass Ro-senbergs> Einsatzstab Ost< es sehr bedauere, dass die SS die Juden> abge-holt habe, die bis dahin die Arbeitsräume in Wilna immer so musterhaftgeputzt hätten.<< 56

Über Haidings regelmäßige Arbeitsbesprechungen mit ReichsleiterRosenberg gibt der Tagestermin- Kalender des Letzteren Aufschluss;Haiding war auf dieser Ebene offensichtlich gut vernetzt und brachtesich auch aktiv in Diskussionen ein. 57 Im Juli 1941 präsentierte er Ro-senberg seine Denkschrift» Die Aufgaben der Volkskunde bei der po-litischen Neuordnung Osteuropas« 58 sowie das Konzept eines Sonder-stabes Volkskunde im Rahmen des Einsatzstabes zur» kulturpolitischenLenkung und Beherrschung der Völker Osteuropas« und» Herausarbei-tung der ursprünglich arischen Volksüberlieferung«.59 Tatsächlich wurde

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Lixfeld( wie Anm. 37), S. 269.

Lixfeld( wie Anm. 37), S. 270-271.

56 Sauer( wie Anm. 8), S. 154–155. Jontes schreibt:» Einer seiner jüngeren Bekanntenwar in den 60er- Jahren eine Ehe eingegangen und hatte eine Familie gegründet. Alsdieser nach einiger Zeit von den ihm zuvor nicht bekannten jüdischen Wurzeln sei-ner Frau erfuhr, ließ er sich von dieser scheiden und sagte sich auch von seinen Kin-dern los. Als Haiding davon erfuhr, fand er die Worte:> Wie kann man denn nur sosein?<, was seiner eigenen Weltanschauung und seiner Haltung gegenüber den Judenja diametral entgegenstand.<< Jontes( wie Anm. 5), S. 19.

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BA NS 8; vgl. z. B. die Amtsleiterbesprechung vom 4. März 1943,» Vorschläge zurBesserung der geistigen Kriegsführung«. Stichwort- Protokoll über die Amtsleiterbe-sprechung am 4.3.1943. BA NS 8/131, S. 8. Haiding berichtete über seine Tätigkeitenauch regelmäßig Rosenberg. Vgl. Tagestermine Rosenbergs, BA NS 8/133, S. 60,NS 8/133, S. 151, NS 8/134, S. 29, NS 8/131, S. 3, NS 8/134, S. 44 und NS 8/131, S.67, NS 8/131, S. 92 und NS 8/131, S. 102, NS 8/134, S. 82, NS 8/134, S. 83, NS 8/134,S. 130, NS 8/135, S. 70. S.a. Haiding an Rosenberg, 5.11.1943. BA NS 8/264, S. 8.BA NS 8/245, S. 60-62.

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BA NS 8/245, S. 60. Auch zitiert bei Lixfeld( wie Anm. 37), S. 292.