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Österreichische Zeitschrift für Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 2
Handlungsdispositionen. 18 In diesem Sinne ist auch Haidings Korres-pondenz zu sehen, in der sich immer wieder Bemerkungen über seinsteigendes Interesse an der Volkskunde finden, wobei er keine Unter-scheidung zwischen seinem» völkischen Erweckungserlebnis« und sei-ner wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Volkskunde als Disziplinvornahm:» Mein Weg zur Volkskunde kam von der Volkstumspflegeund Grenzlandarbeit.[ 19] Dies ist heute[ 1975], da unser Fach umstürzle-risch bedrängt ist,[ 20] wieder von besonderer Bedeutung.<< 21 Jahre zuvorhatte er seinem Freund und Kollegen Gottfried Henßen²² geschrieben:>> Aus Kreisen der Jugendbewegung heraus, der ich seit 1924 auch orga-nisatorisch angehörte, hatte ich in Wien einen Arbeitskreis junger Men-schen geschaffen, die vor allem volkskundlich sehr angeregt waren, sichaber auch mit vielen anderen Fragen beschäftigten. Wir pflegten beson-ders Volkslied und Volkstanz und führten durch Jahre eine volkskund-lich unterbaute Grenzlandarbeit im Burgenlande durch. Diesem Kreisgehörten unter anderem Mitglieder des österr. Wandervogels[ 23] und des
18 Christiane Lahusen: Zur autobiographischen Interpretation von Diskontinuitäten.Methodische Anmerkungen, in: Potsdamer Bulletin für Zeithistorische Studien 42,2008, S. 22-26, hier S. 24.
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Die>> Grenzlandarbeit«< bezog sich hier auf das Burgenland, dem Haiding als einer vonmehreren ForscherInnen wissenschaftliches Interesse entgegen brachte. Vgl. ArthurHaberlandt: Volkskunde des Burgenlandes. Hauskultur und Volksfest. Wien 1935.Diese>> umstürzlerische Bedrängung« empfand er in mehrerlei Hinsicht vor allemaber auch in sprachlicher:» Es wird übrigens sogar der Begriff Volk als belastet um-kämpft.<< Brief Karl Haidings an Friedl Mudrak, Stainach, 25.11.1969. UMJ, Trau-tenfels, NL KH.
21 Brief Karl Haidings an Karl Dietrich, Stainach, 14.3.1975. UMJ, Trautenfels, NLKH.
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Henẞen war Leiter des Zentralarchivs der deutschen Volkserzählung und ein engerVertrauter Haidings. Haiding sandte ihm sogar einen Brief, in dem er sich über die>> Verpflichtung zur Ausmerzung des Nazismus«< im Nachkriegsösterreich beschwer-te, mit der Bemerkung» Bitte diesen Zettel zu vernichten«. UMJ, Trautenfels, NL
KH.
Auf der Homepage des ÖWV heißt es:» Der Österreichische Wandervogel( ÖWV)wurde[...] nach dem Vorbild des deutschen Wandervogels[...] ins Leben gerufen.Die Grundidee[...] war schon das Wandern an sich, aber daneben waren Fahrt, Ge-meinschaft, Singen, Naturverbundenheit, Tanz und Abstinenz genauso prägendenMerkmale.[...] Zu dieser Zeit war der ÖWV geprägt durch ein reges Interesse anFragen wie Volkskunde und Volkstumspflege.[...].« Verweise zur Nähe des ÖWVzum völkischen/ deutschnationalen Milieu fehlen. Siehe www.wandervogel.at/grup-pierungen/ geschichte( aufgerufen am 2.2.2010).