Karin Leitner- Ruhe,» Aber zugreifen soll man, wo man nur kann.<<
geschehe:» Durch den Herrn Bürgermeister von Trautenfels erfahre ich,dass Schloss Trautenfels für Zwecke der Reichspost erworben wordenist und künftig als Schulungsheim dienen soll. Da Schloss Trautenfels zuden bedeutendsten Bauleistungen der Spätrenaissance in Steiermark ge-hört und auch seine Einrichtung zum grösstenteil als wertvoll bezeichnetwerden kann, bitte ich um Auskunft, ob nach dem Wortlaut des Kauf-vertrages nur das Schlossgebäude erworben worden ist oder der Ankaufsich auch auf die ganze bewegliche Einrichtung bezieht.« ¹5 Daraufhinwurde eine Schätzung eines Wiener Sachverständigen durch Josef Lam-berg vorgelegt. Die Reichspost bat ihrerseits Georg Wolfbauer, Leiterdes Kulturhistorischen und Kunstgewerbemuseums am Joanneum umeine Begutachtung. Mehrere Gegenstände wurden von den beiden Gut-achtern durchaus verschieden bewertet, schlussendlich kamen jedochbeide auf einen annähernd gleichen Wert.
Zum großen Saal im ersten Stock schrieb Wolfbauer etwa:» Die nurmit Stil gearbeiteten Möbel sind mit Recht niedrig angesetzt, wenn auchfür den achtfüßigen Schreibtisch wesentlich mehr zu erzielen sein dürf-te. Niedrig eingeschätzt ist ebenfalls die barocke Sitzgarnitur mit gelbemLeder überzogen, für die mit Leichtigkeit 4-5000 RM zu erzielen sind.[...] Die Schätzung mit 17.220 RM wäre für den Käufer günstig, sodaẞdie in Rubrik I/ 2, 3, 4 zu hoch geschätzten Objekte hier zum Teil wiedergut gemacht werden.<< 16
Aus den Schätzgutachten ausgenommen waren sämtliche Bilderund Kunstgegenstände sowie die umfangreiche Geweihsammlung, diesich heute im Jagdmuseum in Schloss Stainz befindet. Lediglich ein Bildaus dem großen Saal wurde in die Liste aufgenommen, eine Herbst-landschaft von Franz Courtens( Abb. 2). Josef Lamberg verlangte dafür16.000 RM. Wolfbauer wollte dafür maximal 6.000 RM ansetzen. Da-raufhin zog Anna Lamberg- Werndl ihr Angebot zurück und wollte dasBild doch nicht verkaufen. Die Deutsche Reichspost hielt schriftlich fest,dass sie vom Ankauf des Gemäldes Herbstlandschaft Abstand nahm.
Ebenso wurde die im ersten Stock untergebrachte Bibliothek ge-schätzt und teilweise von der Reichspost angekauft. Es handelte sich
15 BDA, Landeskonservatorat für Steiermark, Akt Pürgg- Trautenfels, Schloß Trauten-fels I., Schreiben von Semetkowsky an die Reichspostdirektion Graz am 29. März1941, Zl. 356/ 5-1941.
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BArch R 4701/14215 Band 1, o. fol.,» Gutachten über Einschätzung von Altertümernin Schloß Trautenfels« erstellt von Georg Wolfbauer am 16. Juni 1941.
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