Bibliothek / EigenverlageÖsterreichische Zeitschrift für Volkskunde113 (2010) / N.S. 64Leitner-Ruhe, Karin: »Aber zugreifen soll man, wo man nur kann.«

  
Aufsatz in einer Zeitschrift 
»Aber zugreifen soll man, wo man nur kann.« : zum Verkauf von Schloss Trautenfels 1941 durch die Familie Lamberg an die Deutsche Reichspost
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wo man nur kann.<<

Zum Verkauf von Schloss Trautenfels1941 durch die Familie Lambergan die Deutsche Reichspost¹

Karin Leitner- Ruhe

Im Jahre 1941 wurde Schloss Trautenfels im Ennstalvon seiner Besitzerin Anna( Gräfin) Lamberg- Werndlbzw. ihren vier erwachsenen Kindern an die DeutscheReichspost verkauft. In den 1920er- und 1930er- Jahrenwar die Immobilie durch zahlreiche Schulden belastet wor-den. Reichspostminister Wilhelm Ohnesorges Interessean dem Renaissanceschloss bestand einerseits darin, dortein Schulungszentrum für Führungskräfte einzurichten,andererseits ein internationales Zentrum für Nachrichten-technik und den europäischen Postverein zu installieren.Aufgrund der fortgeschrittenen Kriegsereignisse konntenseine Pläne nicht verwirklicht werden.

Zum Zeitpunkt des Verkaufes von Schloss Trautenfels( Abb. 1) 1941gehörte das Objekt der Witwe Anna Lamberg- Werndl. Ihr Sohn Josef( Graf) Lamberg hatte aus dem väterlichen Besitz das Gut Donnersbacherhalten, welches er zwar in den 1920er- Jahren modernisierte, sich aberoffensichtlich finanziell damit übernahm und der verschuldete Besitzletztendlich 1936 von einer Bank ersteigert wurde. Josef Lamberg zogsomit in das Schloss Trautenfels zu seiner Mutter und half ihr bei der

1 Nachdem im Falter 22/08 die Frage aufgeworfen wurde, ob der Verkauf von SchlossTrautenfels im Jahr 1941 rechtmäßig gewesen sei, wurde ich als Restitutionsbeauf-tragte des Universalmuseums Joanneum mit einer umfassenden Recherche betraut.