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Österreichische Zeitschrift fur Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 1
Dimensionen und Ansatzpunkte in der Auseinandersetzung mit Woh-nen sensibilisiert. Jenen, die sich der empirischen Erforschung zeitgenös-sischer Spielarten des Wohnens widmen, kann die Studie inhaltlich undmethodisch viele wertvolle Impulse bieten.
Maria Gamsjäger
Ute Stutzig: Rugias Töchter?
Zur Rolle und Bedeutung der Frau im Männerbund.Frankfurt am Main: Peter Lang Verlag 2008, 173 S.
Das Buch ist die überarbeitete Fassung der Diplomarbeit von Ute Stut-zig, die an der Fakultät für Sozialwissenschaften in Wien eingereichtwurde. Die Autorin ist sowohl in der Soziologie als auch in der Euro-päischen Ethnologie verankert, die vorliegende Arbeit beinhaltet darü-berhinaus auch politikwissenschaftliche und feministische Konzepte.Der Titel>> Rugias Töchter? Zur Rolle und Bedeutung der Frau im Män-nerbund«< verdeutlicht den thematischen Schwerpunkt der Arbeit: UteStutzig betrachtet zunächst den Männerbund im Allgemeinen, dann dieKorporation als Spezialfall des Männerbundes, anschließend die Penna-lie als Spezialfall der Korporation und schließlich, im empirischen Teil,die Jungmannschaft Kremser Mittelschüler Rugia( JKM! Rugia) als Spe-zialfall der Pennalie.
In ihrer historischen Darstellung der Männerbünde und der Diskus-sion des Forschungstandes macht die Autorin deutlich, wie flexibel dieBünde in ihrer Anpassungsfähigkeit an die gesellschaftliche, wirtschaft-liche und politische Umwelt sind. Früh führt sie ein Konzept ein, mitwelchem sie konsequent in ihren Untersuchungen arbeitet: Erving Goff-mans Hinterbühnen und Vorderbühnen werden als raumtheoretischesAnalysekonzept genutzt, um besonders die Rolle der Frau in Männer-bünden im Vergleich zu derjenigen des Mannes herauszuarbeiten. DerMännerbund wird als Raumkonzept gedacht, durch das die unterschied-liche Einflussnahme und Machtausübung von Mann und Frau deutlichwird( S. 34): Die Hinterbühne ist nur zugänglich für den Mann, dasMitglied des Männerbundes; er entscheidet, ob und wann die Frau dieVorderbühne betreten darf. Durch die Dichotomie des Frauenbildesals Sexualobjekt oder als sogenannte Dame gesehen-, wird die Frau in
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