Jahrgang 
113 (2010) / N.S. 64
Seite
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Österreichische Zeitschrift fur Volkskunde

LXIV/ 113, 2010, Heft 1

mentalisierung einer» Niederdeutschen Volkskunde«< und den Versuchderen Verwissenschaftlichung und Institutionalisierung in Form einesLehrstuhls für Niederdeutsche Sprache Identitätsbildung betrieben wur-de, von der man sich eine politische Auswirkung, nämlich die neuerlicheVerschiebung der Grenze, erhoffte.

In diesem grenzüberschreitenden Tagungsband werden Forschungenvon beiden Seiten der behandelten Grenzgebiete vorgestellt. Wenn PetrLozoviuk eingangs von der Apostrophierung von Ethnologen als>> beruf-liche Grenzüberschreiter« schreibt, so trifft dies offenbar auf einige derAutorinnen und Autoren in einem buchstäblichen Sinn zu, die jeweilsbeide Sprachen sprechen bzw. sich in Forschungszusammenhängen dies-und jenseits der Grenzen bewegen. Durch die verschiedenen Blickwinkelder Beiträge, die Darstellung der Zugänge, Ansätze und die methodischenReflexionen ergibt sich aus der Lektüre des Sammelbandes ein dichtesforschungspraktisches Bild der Vieldimensionalität und Komplexität inGrenzgebieten. Die Beiträge sind homogen in wissenschaftlichem An-spruch und sprachlicher Klarheit. In Österreich wird vergleichsweisewenig kulturwissenschaftliche Grenzforschung betrieben dieses Buchmacht Lust darauf.

Helene Schrolmberger

Jürgen Hasse: Unbedachtes Wohnen.

Lebensformen an verdeckten Rändern der Gesellschaft.Bielefeld: transcript Verlag 2009, 251 S., Abb.

Wie lässt sich ein so alltägliches und gleichzeitig so schwer fassbares Phä-nomen wie Wohnen grundsätzlich denken und an konkreten Beispielendicht beschreiben? Der am Institut für Humangeographie der UniversitätFrankfurt am Main lehrende Professor für Geographie und Didaktik derGeographie Jürgen Hasse widmet sich in einer theoretisch und empirischfundierten Studie dieser Auseinandersetzung und stellt sich zugleich dieAufgabe, die» Frage nach dem Wohnen« aus geisteswissenschaftlicherPerspektive neu zu bestimmen( S. 11). Als Motivation für sein Vorhabennennt Hasse die Beobachtung,» dass die Diskussion menschlichen Woh-nens in den Sozialwissenschaften heute nahezu keine Rolle mehr spieltbzw. durch technizistische und rationalistische Perspektiven auf partielle