Jahrgang 
113 (2010) / N.S. 64
Seite
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Literatur der Volkskunde

Beitrag die Europäische Ethnologie und Empirische Kulturwissenschaftfür die historische Forschung leisten kann.

Jens Wietschorke

Petr Lozoviuk( Hg.): Grenzgebiet als Forschungsfeld.

Aspekte der ethnografischen und kulturhistorischen Erforschung desGrenzlandes(= Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde,Bd. 29). Leipzig: Leipziger Universitätsverlag 2009, 286 S.

Der Fall der Systemgrenze des» Eisernen Vorhangs« 1989 hatte als The-ma im Jahr 2009 Hochkonjunktur. Mit dem zeitlichen Abstand zu die-sem Ereignis rücken auch die neueren Entwicklungen in den betroffenenGrenzgebieten sowie die Folgen und die Wahrnehmung des vielfach sehrraschen Wandels- vor dem Hintergrund beträchtlicher historischer Las-ten- seit einigen Jahren verstärkt ins kulturwissenschaftliche Blickfeld.

Der im Herbst 2009 erschienene Band» Grenzgebiet als Forschungs-feld<< dokumentiert die im November 2007 vom Dresdener» Institut fürSächsische Geschichte und Volkskunde e. V.«<( ISGV) in Zusammenarbeitmit dem Lehrstuhl für Geschichte der Technischen Universität Liberecabgehaltene gleichnamige internationale Tagung( s. den Tagungsberichtvon Anja Großmann in ÖZV, 63, 2009), deren Ziel es war( so der He-rausgeber Petr Lozoviuk), die» historische, aber auch gegenwartsbezo-gene Perspektive des Alltagsgestaltens an der Grenze< ins Zentrum derAufmerksamkeit[ zu] rücken«( S. 7). Die fünfzehn Beiträge aus den Dis-ziplinen Europäische Ethnologie, Soziologie, Geografie und Geschichtesind gegliedert nach der» Grenzlandproblematik als Objekt der Ethno-und Kulturwissenschaften«, Beiträgen zur historischen Perspektive, zum>> Grenzland als Ort interpersoneller Beziehungen«< und schließlich zur>> Auseinandersetzung der Grenzlandbewohner um ihre ethnische Aus-legung«<. Den inhaltlich- räumlichen Schwerpunkt bildet das tschechisch-deutsche Grenzgebiete.

In seinem einleitenden programmatischen Beitrag stellt Petr Lozovi-uk die theoretischen Konzepte zur Grenzforschung von deutschen undtschechischen Volkskundlern in Böhmen vor, in denen das PhänomenGrenze auf den unterschiedlichen Ebenen von Politik, Sprache und Kul-tur betrachtet wird. Darüber hinaus umreißt er die Perspektiven, die

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