Jahrgang 
113 (2010) / N.S. 64
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Österreichische Zeitschrift fur Volkskunde

PhDr. Soňa Kovačevičová, DrSc., geborene Žuffová12.12.1921-27.12.2009

LXIII/ 112, 2010, Heft 1

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Die Grande Dame der slowakischen Ethnologie, Soňa Kovačevičová istkurz nach dem Erreichen ihres achtundachtzigsten Geburtstages von unsgegangen. Anfang Jänner hat die breite Öffentlichkeit von ihr Abschiedgenommen ihr Gesicht und ihre Stimme waren nicht nur Wissenschaft-lern sondern auch vielen anderen Menschen bekannt. Bis vor kurzem hatsie noch Interviews gegeben, sich zu kulturellen und politischen Fragenim Fernsehen oder Rundfunk geäußert und Essays geschrieben. Für diekulturelle Öffentlichkeit hat sie von den Ergebnissen ihrer langzeitigenethnografischen Forschungen Gebrauch gemacht, sowie auch von ihremtiefen Wissen über die Alltagskultur und Lebensweise in der Slowakeiund in Europa.

Soňa Kovačevičová gehörte der Wissenschaftlergeneration an, die ameigenen Leib die komplizierten politischen Veränderungen des 20. Jahr-hunderts erlebt haben. Sie stammte aus bürgerlichem Milieu, aus der be-deutenden Familie Žuffa, die im Norden der Slowakei in der Stadt Lip-tovský Sv. Mikuláš( Liptau- St.- Nicolaus) lebte. Der Familie entstamm-ten bekannte Ärzte, Juristen, Ökonomen oder Ingenieure, der Vater vonSoňa Kovačevičová war Eigentümer einer Fabrik für Lederverarbeitung.Ihre Eltern unterstützten die begabte Soňa wie auch ihren jüngeren Bru-der im Studium, nahmen sie auf verschiedene Auslandsreisen mit undbesuchten mit den heranwachsenden Kindern Kunst- und Kulturveran-staltungen. Soňa wollte in Prag und Paris Kunst und Sprachen studieren.Ihre Pläne wurden jedoch durch den Kriegsausbruch durchkreuzt, und siestudierte daher ab 1939 Französisch, Deutsch und Volkskunde» nur« ander Komenský Universität in Bratislava. Dank jüngerer Universitätsassi-stenten und Mitgliedern des damals bereits verbotenen Vereins für wis-senschaftliche Synthese', erschloss sich ihr die Welt des Strukturalismusund anderer Richtungen, Konzepte und Einsichten der wissenschaftli-chen und künstlerischen Avantgarde dieser Zeit. Sie wurde auch durch

1 Der Mitte der 30er Jahren des 20. Jahrhunderts in Bratislava entstandene Vereinführte die junge Generation von Philosophen, Sozialwissenschaftlern, Wissenschaft-lern aus dem humanitären Bereich und Künstler zusammen, die sich vor allem ander philosophischen Richtung des logischen Positivismus, Strukturalismus und russi-schen Formalismus orientierten. Im Jahr 1940 wurde der Verein verboten.