104 Österreichische Zeitschrift fur Volkskunde
LXIV/ 113, 2010, Heft 1
Mountain Pastoralism and Modernity:
from the Mediterranean to Scandinavia, 15th- 20th Centuries.International Conference, Luzern, 9./10. Mai 2009
Die von Jon Mathieu und Michael Blatter, Historisches Seminar derUniversität Luzern, am 9. und 10. Mai 2009 organisierte Tagung überMountain Pastoralism and Modernity stellte den Anspruch, die Weide-wirtschaft im Gebirge mit ihren vielfältigen Erscheinungsformen wieWanderviehwirtschaft ohne oder nur mit teilweiser Einstallung( Trans-humanz), Gebirgsnomadentum und Almwirtschaft in ihrer Beziehung zuaußeralpinen Faktoren zu beleuchten. Bei diesem weiten Themenkreiswurde der Schwerpunkt auf die Transformationsprozesse seit dem Spät-mittelalter gelegt. Im Zentrum stand dabei die Frage nach dem Verhältniszwischen der Modernität als Entwicklungsphänomen und der pastoralenWirtschafts- und Lebensweise.
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Die Tagung Teil eines Konferenzzyklus in Lateinamerika, Asienund Europa – wurde auf Grund der Internationalität der Referenten aufEnglisch und Französisch abgehalten.
Jon Mathieu( Historisches Seminar, Universität Luzern) bot mitMountain Pastoralism in Historical Perspective- some Remarks eine Ein-führung in den Stand der Forschung über montane Weidewirtschaft undnahm eine Gegenüberstellung der verwandten Begriffe wie Nomadismusund Transhumanz vor. Er wies auf das immer noch- trotz zunehmen-der Forschungen – bestehende Defizit an historischem Wissen über dieBergweidewirtschaft hin und plädierte für die Intensivierung der For-schungen über das globale Phänomen des Gebirgspastoralismus mit sei-nen zahlreichen ökonomischen und sozialen Implikationen. Er stellte dieFrage, ob dem Begriff der Modernität, dem Leitthema dieser Tagung, eineuropäisches Gedankenkonstrukt zugrunde liegt.
Fernando Collantes( Universität Zaragoza, Spanien) bot mit Moun-tain pastoralism in Spain, 1500-2000 einen Überblick über den Aufstiegund Niedergang der Gebirgsweidewirtschaft auf der Iberischen Halbinsel.Mit dem Hinweis auf große regionale Unterschiede identifizierte er dreiEpochen: 1500-1830/ 40, 1830/ 40-1960 und 1960-2000. Die klassi-sche Bergweidewirtschaft Spaniens mit dem Schwerpunkt auf Schafzucht,Wollverarbeitung und mit der Institution der Mesta( Organisation derSchafbesitzer) datierte er zwischen 1500 und 1830/40. Der Einbruch derModernität auf das scheinbar feste Gefüge der montanen Viehzucht trat