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113 (2010) / N.S. 64
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98 Österreichische Zeitschrift fur Volkskunde

LXIV/ 113, 2010, Heft 1

ventarbuch oder eine Fotosammlung von kultischen Objekten aus demTürkentempel in Wien). Das fast vollständige Fehlen von Sammlungsob-jekten aus dem sephardischen Raum sei umso erstaunlicher, als dass dieStadt Wien nach Budapest die älteste sephardische Gemeinde in Europabeherbergte und somit die Möglichkeit gehabt hätte, vielfältige Objektevon dieser Gemeinde zu erhalten. Daher fragte Heimann- Jelinek zurechtpointiert, um welches Volk und um welche Kunde es sich bei der Etab-lierung der jüdischen Volkskunde eigentlich handle, wenn die Sammlungdes Wiener Jüdischen Museums das vorherrschende Interesse der Muse-umsfachleute und Sammler, allen voran Max Grunwalds, an Geschichte,Religion und Alltag des aschkenasischen Judentums widerspiegelte unddas sephardische Judentum sehr vernachlässigte.

Anschließend suchte Margot Schindler( Wien), Direktorin des Ös-terreichischen Museums für Volkskunde, in ihrem Bericht nach Spurendes Jüdischen in der Geschichte und Sammlung ihres Hauses. Dabei be-tonte sie, dass die Untersuchung dieses Themas erst am Anfang steheund aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden kann: die erstePerspektive beschäftigt sich mit den materiellen Zeugnissen selbst undsucht nach musealen Sammlungsobjekten, die unter dem Stichwort>> Ju-daica<< subsumiert werden oder in einem weiteren Sinn»> jüdisch«< konno-tiert sein könnten. Der zweite Zugang sucht nach Sammlern oder För-derern jüdischer Herkunft in der museumseigenen Geschichte anhandder Mitglieder- und Stifterlisten des Vereins für Volkskunde, der 1895gegründet wurde. Exemplarisch stellte Schindler Personen wie RudolfTrebitsch, Eugenie Goldstern, Heinrich Moses und Konrad Mautner vorund beschrieb deren Sammelaktivitäten, die sich- in den beiden letztenFällen auch auf österreichische Ethnografika spezialisierten. Judaica-Objekte hingegen wurden bis zum Jahr 1938 in einer kleinen jüdischenAbteilung ausgestellt. Die Sammlung beinhaltete ca. 200 Objekte, darun-ter Metallstücke aus der Kriegsmetallsammlung, Zeremonialgegenstän-de, Leuchter, den Aufsatz eines Vorbeterpults u.a. Wie Schindler in demTitel ihres Vortrages schon deutlich machte(» Alter Jude, Ton glasiert«),befinden sich in der Sammlung auch mehrere bislang als jüdisch konno-tierte Objektsorten bezeichnete Gegenstände, die aber als Antisemiticaeingeordnet werden müssten. Eine Zusammenarbeit des Volkskundemu-seums mit dem Jüdischen Museum Wien in dieser Hinsicht ist geplant.Ab Frühjahr 2010 wird von Birgit Johler ein Projekt zur Geschichte desVolkskundemuseums in den Jahren 1930 bis 1950 durchgeführt, in demdiese Fragestellungen wieder auftauchen werden.